Piano Book 2

Piano Book 2

Künstler:innen von Weltrang – ganz gleich aus welchem kreativen Bereich – fühlen sich oft verantwortlich, ihr Wissen und Können an die nächste Generation weiterzugeben. Lang Lang, einer der berühmtesten Pianist:innen unserer Zeit, hat diesem Ziel einen großen Teil seiner Karriere gewidmet – unter anderem durch die Lang Lang International Music Foundation und seine Piano Academy, eine Reihe von Musikkursen. 2019 veröffentlichte er mit „Piano Book“ ein Klavieralbum, das Einsteiger:innen dazu einlädt, neues Repertoire zu entdecken. „Piano Book 2“ knüpft an diesen Erfolg an und enthält Werke, die Schüler:innen in ihrer Entwicklung voranbringen. „Mit dem ersten ‚Piano Book‘ wollte ich zeigen, dass selbst einfache Stücke schön sein können“, erzählt der Solist im Gespräch mit Apple Music Classical. „Diesmal wollte ich einen Schritt weitergehen – mit Stücken, die zugänglich sind, aber junge Pianist:innen dazu herausfordern, über sich hinauszuwachsen. Es geht um die nächste Phase der Entdeckung, in der man erkennt, wie viel Farbe und Charakter im Klavier steckt.“ „Piano Book 2“ bietet ein kaleidoskopartiges Repertoire. Den Auftakt bilden beliebte Klassiker – von Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu Erik Satie, Sergei Rachmaninow und Franz Liszt, darunter auch dessen „Consolation Nr. 2“. Dieses Stück, so Lang Lang, sei ein hervorragendes Beispiel für Musik, die für angehende Pianist:innen gut spielbar ist und zugleich eine enorme emotionale Kraft besitzt. „Auf den ersten Blick wirkt es einfach, die Noten liegen angenehm unter den Händen“, erklärt er. „Aber die Herausforderung liegt im Klang. Es geht um Stimmführung, einen gesanglichen Ton und darum, das Rubato natürlich zu gestalten. Jede Phrase muss wie ein Atemzug klingen. Das ist viel schwieriger, als große virtuose Läufe zu spielen.“ Das gilt auch für Stücke wie Saties „Gymnopédie Nr. 1“, Chopins „Nocturne Nr. 2“ oder Debussys „Arabesque Nr. 1“ – alles Werke, die nach Ansicht von Lang Lang viel häufiger von heutigen Konzertpianist:innen aufgeführt werden sollten. „Ein Stück muss nicht schwierig sein, um Tiefe zu haben“, sagt er. Er verweist auf Vladimir Horowitz, der anstelle eines spektakulären Schaustücks oft Robert Schumanns „Träumerei“ als Zugabe spielte. „Horowitz hatte recht: ‚Träumerei‘ oder ein einfaches Stück von Johann Sebastian Bach können Menschen zu Tränen rühren. Manchmal tragen gerade diese vermeintlich einfachen Werke tiefste Emotionen in sich.“ „Piano Book 2“ ist jedoch weit mehr als eine sorgfältig kuratierte Sammlung klassischer Favoriten. Die Auswahl umfasst auch brillante Arrangements von Filmmusik – etwa Ennio Morricones nostalgisches Hauptthema aus „Cinema Paradiso“ und Yann Tiersens skurriles „Comptine d’un autre été“ aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001). Auch Musik aus Videospielen ist vertreten: Yu-Peng Chens zauberhaftes „Lover's Oath“ aus „Genshin Impact“ sowie das inzwischen vielfach gespielte „To Zanarkand“ aus Nobuo Uematsus Soundtrack von „Final Fantasy X“ (2001). Man findet ebenso das eine oder andere populäre zeitgenössische Solowerk, das Lang Langs Klavierschüler:innen ihm vorgestellt haben. Joe Hisaishis „Spring“ und Tony Anns „ICARUS“ sind zwei Stücke, die er nun seinerseits weitergeben möchte. „Das Standardrepertoire ist natürlich wunderschön, aber Musik ist eine lebendige Kunstform“, betont er. „Wenn Schüler:innen zeitgenössische Werke spielen, realisieren sie, dass Komponist:innen bis heute für sie schreiben. Das öffnet ihre Ohren für neue Klänge, Rhythmen und Harmonien. Und es lässt die alten Meister:innen frischer erscheinen, weil man sie im Kontrast hört.“