

Seit sie mit ihrer unverblümt ehrlichen Durchbruch-Single „Call Me Maybe“ die Welt eroberte, ist Carly Rae Jepsen zu einer Kultfigur für Generationen von sehnsuchtsvollen Fans geworden. Mit „E•MO•TION“ festigte sie diesen Status im Jahr 2015 weiter. Das Album ließ Jepsen aus dem Schatten ihres größten Hits treten und machte sie zur Königin der letzten Millennial-Romantiker:innen. Seither hat die Pop-Perfektionistin ein Ventil für ihren enormen Songwriting-Output gefunden. Für „E•MO•TION“ wählte sie aus mehr als 200 Songs aus und begann anschließend, ihre Alben mit umfangreichen Begleitwerken zu ergänzen – darunter „Dedicated“ und „Dedicated Side B“ sowie „The Loneliest Time“ und „The Loveliest Time“, die jeweils aus demselben großen Fundus an Songs entstanden. Doch Jepsens achtes Album „Day and Night“ könnte ihr bislang ambitioniertestes Projekt sein: ein Doppelalbum mit 24 Songs, das von Ehe und Mutterschaft inspiriert wurde. Jepsen heiratete 2025 den Produzenten Cole M.G.N., den sie bei einer Songwriting-Session kennengelernt hatte. Anfang 2026 kam ihr erstes gemeinsames Kind zur Welt. „Ich weiß gar nicht, ob ich mir vorgenommen hatte, ein Doppelalbum zu machen. Es hat sich einfach so entwickelt“, erzählt Jepsen im Gespräch mit Apple Music. „Ich liebe es, eine eigene Welt und ein komplettes Erlebnis zu erschaffen und die Hörer:innen an einen anderen Ort mitzunehmen. Und ich glaube, mein Geschmack hat sich in zwei unterschiedliche Richtungen entwickelt: eine organischere mit echten Instrumenten und eine andere, die sich etwas dunkler, mehr nach Nacht und stärker von Synthesizern geprägt anfühlte. Tag und Nacht war deshalb eine ganz natürliche Unterscheidung.“ Entsprechend ist das opulente Album in zwei unterschiedliche Stimmungen geteilt. Die ruhigere „Day“-Seite schöpft aus dem Folk der 1960er- und der Psychedelia der 1970er-Jahre und verbindet sanfte, psychedelische Liebeslieder mit organischen Klangfarben und einem Hauch Melancholie. Die „Night“-Seite setzt dagegen gleich mit einer wuchtigen Bassline und etwas Kuhglocke ein und gibt den Ton für Songs an, die French House, Italo-Disco und ABBA miteinander verbinden. Manchmal sogar alles gleichzeitig. Ein Beispiel dafür ist „Don’t Leave Me on the Dance Floor“, ein zukünftiger Klassiker für alle, die ihren Liebeskummer im Club einfach wegtanzen. Doch wenn das Album ein emotionales Herzstück hat, dann ist es der Track „After All“, der für Jepsen beinahe zur selbsterfüllenden Prophezeiung wurde. „Ich habe diesen Song geschrieben, bevor ich verlobt war, und bevor wir das Baby bekamen. Da war einfach nur diese eine Idee“, erzählt sie. „Aber als wir dann das Video drehten, war ich all das. Wir hatten es quasi besiegelt. Ich war im neunten Monat schwanger, als wir drehten, und mein Ehemann tanzte mit mir. Es war irgendwie wild, diese Idee zu Papier zu bringen und sie dann im echten Leben gemeinsam feiern zu können.“