Memento Mori: Mexico City

Memento Mori: Mexico City

Drei Abende lang gastierten Depeche Mode im September 2023 vor rund 200.000 frenetischen Fans in der Eventarena Foro Sol in Mexiko-Stadt. Der Mitschnitt dieses Liveereignisses zeigt vor allem eines: Depeche Mode traten nicht als bloße Verwalter ihrer eigenen Geschichte auf, sondern als eine Band, die kämpfte. Ein Jahr zuvor war Keyboarder Andy Fletcher im Alter von nur 60 Jahren gestorben, sein Tod prägte die Arbeiten am 15. Studioalbum, das der Tour ihren Namen gab. Es war nicht weniger als ein Triumphzug, das zeigt schon das von Jubel umtoste „Intro“. 28 Songs lang versehen Dave Gahan und Martin Gore auf „Memento Mori: Mexico City“ ihre eigene Identität mit einem Update. Wo sie im Opener „My Cosmos Is Mine“ noch atmosphärisch schleichen, zieht das folgende „Wagging Tongue“ mit seinem flirrenden, an die 1980er‑Jahre erinnernden Synthie-Muster das Tempo merklich an. Der Klassiker „Walking In My Shoes“, eingeläutet von einem überschwänglichen „Good Evening, Mexico City“, sorgt anschließend dafür, dass auch die Fans handfester Alternative-Klänge auf ihre Kosten kommen. Neues und Vertrautes greifen in der Spielzeit von über zwei Stunden nahtlos ineinander. Nicht Nostalgie ist dabei der Motor, sondern Spannung. Natürlich präsentieren Depeche Mode zahlreiche Stücke aus dem 2023 erschienenen, Vergänglichkeit und Abschied verhandelnden „Memento Mori“. Diese gehen packende Verbindungen mit Hits wie „Enjoy The Silence“, „Just Can’t Get Enough“ oder „Personal Jesus“ ein. Der dramaturgische Höhepunkt des Albums ist ein Songdoppel ziemlich genau in der Mitte: Der „Memento Mori“-Track „Ghosts Again“ kommt mit seinem Keyboardteppich so hymnisch wie melancholisch daher, während „I Feel You“ mit seinem charakteristischen Gitarrenriff den musikalischen Bulldozer gibt. Wie formvollendet Depeche Mode Alt und Neu zusammenbringen, liegt vor allem an Gahan, der viel Gravitas in seinen warmen Bariton legt. Das Ganze ist aber auch Gore zu verdanken – und nicht zuletzt den Sessionmusikern Peter Gordeno und Christian Eigner, die die Laut/Leise-Kontraste wunderbar präzise setzen. Der Sound dieser Aufnahme ist so überzeugend nachgezeichnet, dass man stellenweise den Eindruck hat, selbst direkt vor der Bühne zu stehen. So zeigt „Memento Mori: Mexico City“, wie Depeche Mode ihr eigenes musikalisches Vokabular weiter schärfen. Unterstrichen wird das von vier Bonustracks. „Survive“, „Life 2.0“, „Give Yourself To Me“ und „In The End“ sind Outtakes aus den „Memento Mori“-Sessions – und schreiben die Geschichte einer der erfolgreichsten Bands der Welt würdevoll weiter.