Unsere Anmerkungen Bevor er zu Juanes wurde, studierte Juan Esteban Aristizábal Industriedesign. „Wenn ich mich einem Projekt widmete, musste ich stets alle Aspekte erforschen und recherchieren, um beginnen zu können“, erzählt er gegenüber Apple Music. „Im Fall des neuen Albums blicke ich auf meine Wurzeln, meine Essenz zurück. Es ist wichtig, einen Ausgangspunkt zu haben. Für mich ist es Kolumbien“. Auf seinem achten Longplayer „Más Futuro Que Pasado“ interpretiert der mehrfach mit dem Latin GRAMMY ausgezeichnete Star die prägenden Rhythmen seiner Heimat neu, indem er diese traditionellen Sounds mit aktueller lateinamerikanischer Musik verbindet. Es ist ein Versuch, der hoffnungsvoll stimmen soll. „Ich komme vom Rock“, sagt er, „aber ich höre alle Arten von Musik. Ich suche nach Wegen, um mich neu zu erfinden und Dinge anders anzugehen. Generell finde ich immer in der Vergangenheit Inspiration, aber ebenso in der Zukunft und der Gegenwart.“ Im Folgenden führt er uns Track für Track durch die vielen verschiedenen Aspekte des Albums.


Aurora

„Hier hat mich der Rhythmus von Cumbia sehr inspiriert, einer der wichtigsten Rhythmen aus unserer Region. Er reicht von Mexiko über Zentralamerika bis nach Argentinien – es ist der Rhythmus, der alles vereint. In den Achtzigern, als ich 14 oder 15 war, gab es jede Menge Punk und Metal, bevor dann Techno kam. Aber jetzt gibt es auch eine lebhafte Hip-Hop-Szene in Medellín und ich möchte nah dran sein an dem, was gerade in meiner Stadt passiert. Dieses Stück machte ich mit Crudo, einem Rapper aus Medellín. Mit seinem Flow und seinen Texten ist er für mich einfach authentisch.“


Tequila

„Der Ursprung dieses Songs liegt in der Cumbia Rebajada – einer Form der Cumbia, die in den 1970er-Jahren in Monterrey, Mexiko gespielt wurde. LPs mit Cumbia-Musik aus Kolumbien kamen nach Monterrey und wurden ständig auf allen Partys aufgelegt. Doch nach vielen Stunden überhitzte sich der Plattenspieler, so dass die Musik anfing langsamer zu klingen. Es war natürlich Zufall, aber so hörten sie fortan eine gemäßigte Cumbia. Ich entdeckte dies und liebte es einfach. Der Song handelt von einem gebrochenen Herzen, wie es jeder einmal erlebt. Die Akkordfolge in der Mitte ist von der Musik inspiriert, die meine Eltern immer gehört haben, als ich ein Kind in Kolumbien war – Musik vom Lande.“


Ninguna

„Mir gefällt wirklich sehr, was derzeit in der Musikwelt passiert, und ich habe drei Kinder – 16, 15 und zehn Jahre alt – die den ganzen Tag Reggaeton und Hip-Hop hören. Vor fünf Jahren, als ich ‚Mis Planes Son Amarte‘ aufnahm, arbeitete ich hauptsächlich mit Sky und Bull Nene zusammen, deren Arbeitsweise ich wirklich mochte. ‚Ninguna‘ ist vor allem von der argentinischen Cumbia inspiriert, die sich doch ziemlich von der in Kolumbien oder Mexiko unterscheidet. Sie ist ein bisschen entspannter, mit verzögertem Takt. Es scheint, als würde er schlecht gespielt werden, aber das wird er nicht. Es ist richtig: derselbe Rhythmus, aber anders interpretiert. In den letzten Jahren ist er bei den jungen Leuten sehr populär geworden.“


Mala Manera

„Dieser Song hat ein von einem karibischen Rhythmus geprägtes Gitarrenschema, das ich gelernt habe. Wenn man mit diesem Schema arbeitet, bemerkt man, dass die Melodien und Akzentuierungen doch völlig anders sind. Es ist einer der ersten Songs, die wir für dieses Album fertig hatten. Der Text ist sehr tiefgründig, vermutlich einer der tiefgründigsten, weil er eher schmerzvoll ist. In ihm spreche ich über eine Beziehung, die nicht funktionieren kann. Du liebst diese Person, aber es ist unmöglich, bei ihr zu sein, weil du nicht leiden möchtest. Daher ist es besser, sie zu verlassen und allein zu schlafen. Diesen Schmerz trägst du ständig mit dir herum.“


Bonita

„Ein ungemein fröhlicher und sehr leichter Song, weil es sich um Vallenato handelt. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Rhythmus in meinem Land. Ich bin sehr von Diomedes Díaz und Carlos Vives sowie vielen anderen Vallenato-Künstlern inspiriert worden, die ich seit meiner Kindheit gehört habe. Der Song ist etwas ganz Besonderes und auch wenn ich nicht aus der Gegend Kolumbiens komme, in der Vallenato seine Ursprünge hat, liebe ich ihn doch sehr. Das hier ist eine fröhlichere Seite von mir. Als ich Sebastián Yatra auf einer Party in Spanien traf, sagte ich zu ihm: ‚Hey, hör dir mal diesen Song an, ich fände es klasse, wenn du dabei wärst.‘ Also hörte er ihn sich an, mochte ihn, und zwei Monate später fügte er seinen Part hinzu. Er hat eine Menge Energie eingebracht.“


El Pueblo

„Hier geht es um meine Frau. Sie stammt aus Cartagena, während ich aus Medellín komme. Wir sprechen über unsere Beziehung und darüber, wie sie in all den Jahren stabil geblieben ist. Als ich aufwuchs, hörte ich verschiedene Arten von Musik wie Bambucos und Boleros – eher ernstere Sachen. Meine Frau ist in dieser Hinsicht völlig anders, weil sie von der Küste „la costa“ kommt, wo die Menschen, wie man weiß, Salsa, Merengue und Bachata lieben. Völlig unterschiedliche Kulturen, aber das macht Kolumbien aus. Das Wetter ist in den Städten derart unterschiedlich, dass jede Stadt wie eine vollkommen andere Welt anmutet. Der Aspekt der elektrischen Gitarre ist äußerst wichtig für mich. Aktuell ist es nicht unbedingt üblich, Songs mit E-Gitarre zu hören – es geht mehr um Samples und dieses Zeug. Daher wollte ich die Gitarre in all meine Songs integrieren, doch gleich zu Beginn, vor allem in ‚El Pueblo‘, fühlte es sich wie eine andere Herangehensweise gegenüber dieser Art von Musik an.“


Más Futuro Que Pasado

„Der Song ist etwas ganz Besonderes für mich, weil ich auch die Beziehung zu meiner Frau thematisiere und wie wir es schaffen, zusammen zu bleiben und noch mehr Zukünftiges als Vergangenes haben. Manchmal lassen wir im Leben vieles in der Vergangenheit zurück und sind niedergeschlagen. Manchmal schauen wir in die Zukunft und sind verängstigt. Aber in diesem Fall spreche ich darüber, mit der Frau, die ich liebe, für den Rest meines Lebens zusammen zu sein. Der Cumbia-Beat in diesem Song ist besonders, weil die Abfolge der Melodien für Cumbia nicht üblich ist – sie funktioniert komplett anders. Es ist so, als wäre es ein Popsong, bei dem wir den Rhythmus ändern und stattdessen Cumbia einfügen. Wir experimentieren mit diesen Dingen, aber das war ja von Anfang an die Absicht.“


Loco

„Das ist ein Experiment, das ich zusammen mit dem sehr talentierten kubanischen Songschreiber Luis Alfredo Salazar aus Miami anging. Wir versuchten, etwas Neues, etwas Frisches zu machen, auch hinsichtlich meines Gitarrenspiels. Ich war es gewohnt, sehr präzise zu arbeiten – Drums, Bass und alle spielen einfach zusammen. Aber hier versuchte ich, mit den Beats innerhalb dieses Vibes zu experimentieren. Beispielsweise liebe ich den [Roland TR-] 808, speziell den Bass. Das gefällt mir im Hip-Hop richtig gut – schon seit 1996, als ich in L.A. lebte. Man fängt an, Hip-Hop zu hören, und findet es interessant, ihn mit der Gitarre zu kombinieren, einfach mit organischen Instrumenten.“


Mía Mía

„Ein Song, den ich mit Fuego aufnahm, einem sehr talentierten Rapper aus der Dominikanischen Republik. Wir waren in seinem Studio, arbeiteten an einer Idee und beließen es dann erst mal dabei. Einen Monat später hörte ich mir den Song an und sagte: ‚Oh nein, das ist wirklich cool, ich möchte meine Vocals noch einmal mit diesem Vibe aufnehmen.‘ Es ist eine reifere Sache, nicht aggressiv, eher sexy. Aber es ist dennoch ein Song, den ich meiner Frau widmen kann. Es ist also alles gut.“


La Plata

„Ich habe früher mit meinen Freunden ständig Vallenato gesungen, auf allen Partys, die ganze Zeit, mein ganzes Leben lang. ‚La Plata‘ ist ein weiterer, ein glücklicher Vallenato-Song. Aber er ist etwas düsterer und alternativer und experimentiert mit den Basslinien und dem Akkordeon. Ich hatte hierfür den aufstrebenden jungen kolumbianischen Trap-Rapper Lalo Ebratt aus Santa Marta eingeladen, da er eine ganz eigene Art des Schreibens und des Flows hat. Das hat meine Aufmerksamkeit erregt.“


Pa Dentro

„‚Pa Dentro‘ war wohl der erste Song des Albums, den wir aufnahmen. Ich arbeitete daran mit Sky, DVLP, Mau y Ricky und Camilo Echeverry, einem sehr talentierten Typen aus Kolumbien. Wir trafen uns in meinem Studio und begannen, an der Songidee zu feilen. Ich trug etwas bei, das seinen Ursprung an der Pazifikküste Kolumbiens hatte, also begannen wir damit. Wir wollten einen eher afrikanischen, „indigenen“ Vibe kreieren. So plane ich meine Musik.“


Querer Mejor

„Ein sehr wichtiger Song für mich, weil er sehr gefühlvoll und tiefgründig ist. Ich arbeitete mit Rafa Arcaute zusammen, weil er ein Produzent ist, den ich wirklich sehr respektiere. Außerdem mit Mau y Ricky und Camilo, mit denen ich bei mir zu Hause mit einem Demo startete. Später trug Alessia Cara etwas zu dem Song bei, was mich sehr freute, weil sie eine dieser besonders inspirierenden Stimmen hat. Ich hatte sie vor zwei Jahren bei den Latin GRAMMY Awards getroffen, als wir einen Song zusammen mit Logic performten und irgendwie hatten wir gleich einen guten Draht zueinander. Alessia kam schließlich dazu, weil sie auf Spanisch singen wollte, was für sie angesichts ihres italienischen Backgrounds völlig in Ordnung war. Sie machte es perfekt und es war wunderbar, sie dabeizuhaben.“

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