

War das wirklich Bob Dylan, der da sprach?! Der Trailer, mit dem der früher als Machine Gun Kelly bekannte Künstler sein siebtes Album ankündigte, erregte Aufmerksamkeit. „‚lost americana‘ ist eine persönliche Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Traum – eine Reise, um das Verlorene wiederzufinden“, erzählte die Legende zu Clips, in denen mgk raucht, Motorrad fährt und über den Vegas Strip schlendert. „Dieses Album ist ein Liebesbrief an all jene, die ihn wiederentdecken wollen: die Träumer:innen, die Tramps, die Trotzigen. Es ist eine klangliche Landkarte vergessener Orte, eine Hommage an den Geist der Neuerfindung und eine Suche nach dem wahren Wesen der amerikanischen Freiheit.“ Einige vermuteten hier KI – aber nein, Bob Dylan ist einfach Fan. So postete er Anfang des Jahres ohne Kontext oder weitere Erklärung den Clip eines mgk-Auftritts von 2016 in seinen Instagram-Stories. Der 35‑Jährige kennt sich mit dem Geist der Neuerfindung bestens aus: Im Laufe seiner Karriere wandelte er sich gekonnt vom rauen Rapper aus Cleveland, der Mixtapes in Einkaufszentren vertickt, zum Aushängeschild des Pop‑Punk-Revivals. Während er auf „Tickets To My Downfall“ (2020) und „mainstream sellout“ (2022) seinen lange schwelenden Weltschmerz in Riffs à la blink‑182 kanalisierte, gibt er auf „lost americana“ ganz den James Dean: Er rast mit 220 Stundenkilometer über eine zweispurige Wüstenstraße, raucht eine selbst gedrehte Zigarette nach der anderen, unterwegs auf dem schnellsten Weg nach nirgendwo. „Take me somewhere cheap/Where the livin’ is easy/Out of all their reach/Set my spirit free“ („Bring mich irgendwohin, wo’s billig ist / Wo das Leben einfach ist / Wo mich niemand erreichen kann / Befreie meine Seele“), singt er im an Bruce Springsteen erinnernden „outlaw overture“. In „cliché“ überredet er eine Geliebte, dieses Kaff hinter sich zu lassen und in Vegas zu heiraten. „sweet coraline“ klingt nach The Strokes und in „starman“ zitiert er „Semi-Charmed Life“ von Third Eye Blind. Doch er findet auch zurück zu seinen Hip‑Hop-Wurzeln in Songs wie „indigo“ und „treading water“, in dem er offen vom langen Weg zur Erlösung nach einem schwierigen Jahr erzählt.