14 Titel, 51 Minuten

UNSERE ANMERKUNGEN

Michael Kiwanuka schien nicht unbedingt der Typ für ein selbstbetiteltes Album zu sein. Auf jeden Fall hatte man nicht erwartet, dass er mit einem königlichen Cover-Porträt ein solch offensichtliches Selbstbewusstsein an den Tag legt. Schließlich handelt es sich hier um eben jenen Singer-Songwriter, der zu den Sessions für Kanye Wests Album „Yeezus“ eingeladen worden war, sich dann aber wegen seines Hochstapler-Syndroms ohne Erklärung zurückgezogen hatte. Diese Art des Selbstzweifels hatte Michael Kiwanuka bereits beeinträchtigt, bevor sein 2012 erschienenes Debüt „Home Again“ für den britischen Mercury Prize nominiert wurde. „Es ist ein irrationales Gefühl, aber das hatte ich schon immer“, erklärt er gegenüber Apple Music. „Es hält dich zwar auf Trab, aber gleichzeitig hat es mich auch frustriert. Ich dachte nur: ‚Ich möchte in der Lage sein, dies zu tun, ohne mir so viele Gedanken zu machen, und Vertrauen in mich als Künstler haben‘. Überlegungen zur Identität ließen ihn darüber nachdenken, wie andere Musiker Kunstfiguren für die Bühne oder für Social Media erschaffen und dadurch ihre eigentliche Persönlichkeit schützen. Das war es auch, was ihn dazu inspirierte, sein drittes Album „KIWANUKA“ zu nennen – eine Art „Anti-Alter Ego“. „Es handelt sich beinahe um ein Statement mir selbst gegenüber“, sagt er. Ich möchte einfach sagen können: ‚Das bin ich, was immer auch geschieht. Die Leute mögen es gut finden oder auch nicht, das ist okay. Zumindest wissen sie, wer ich bin‘“. Kiwanuka ist natürlich schon länger als talentierter Singer-Songwriter bekannt, aber mit „KIWANUKA“ offenbaren sich neue Maßstäbe in Sachen Innovation und Anspruch. Mit Danger Mouse und UK-Producer Inflo an den Reglern – wie bereits für „Love & Hate“ aus dem Jahr 2016 – wird der gereifte Mix aus Soul und Folk weiter in Richtung Psychedelia, Fuzzrock und Kammerpop gelenkt. Im Folgenden nimmt er uns Song für Song mit auf diese Reise.


You Ain’t the Problem

„In diesem Song feiere ich meine Liebe zu Menschen. Wir vergessen oft, wie wunderbar wir sind. Die sozialen Medien haben daran ihren Anteil – all diese Filter, mit denen wir Dinge verbergen, von denen wir denken, dass andere sie nicht mögen. Dinge, von denen wir denken, dass wir nicht zu ihnen passen. Du denkst mehr und mehr, dass all das über dich unwahr ist. Du hast ein Problem damit, wer du bist und wer du eigentlich sein solltest. Ich wollte einen Song schreiben, in dem vermittelt wird, dass du nicht das Problem bist, sondern dass du einfach mehr ‚du‘ sein und dich stärker mit deinem Inneren verbinden musst. Daraus beziehst du den Zauber – ignoriere nicht das, was dich wirklich ausmacht.“


Rolling

„‚Rolling with the times, don’t be late.‘ Ich schätze, dass sich bei mir alles darum dreht ein Künstler zu sein. Ich versuchte immer noch, meinen Platz zu finden, aber du kannst dich mit allem arrangieren und natürlich Dinge tun, die sicherstellen, dass du dazu gehörst – ob es nun darum geht, Dinge online zu posten oder auf dem Laufenden mit den coolsten Platten zu sein oder einfach die richtigen Dinge zu wissen. Es kann aber auch sein, dass du in den Mittdreißigern steckst und nicht verheiratet bist, keine Kinder hast und andere dich ungläubig anschauen. In ‚Rolling‘ geht es darum, sein eigenes Tempo zu finden. Ich dachte an frühe Stooges und französische Alben mit einem Fuzz-Sound wie von Serge Gainsbourg. Ich wollte einen Song machen, der genauso verrückt klingt.“


I’ve Been Dazed

„Eddie Hazel von Funkadelic ist mein Lieblingsgitarrist. Dieser Song hat hymnische Akkorde, weil er in seinen eigenen Kompositionen auch immer wunderschöne hymnische Akkorde hatte. Die Lyrics haben diese melancholische Note und ich singe davon, aus einem Albtraum aufzuwachen, in dem ich jemandem Schritt für Schritt folge oder mich wegen meines geringen Selbstwertgefühls erniedrige – also all das, wogegen ich mich in ‚You Ain’t the Problem‘ widersetze. Das Gefühl ist: ‚Meine Güte, ich kenne diese Art von Albtraum, ich möchte da einfach rauskommen, ich bin bereit.‘“


Piano Joint (This Kind of Love) [Intro]

„Als Teenager flüchtete ich einfach in die Musik einiger Alben, als wenn ich mich aus meinem Leben in die Welt dieser Künstler versetzen könnte. Dieses Gefühl wollte ich auch mit diesem Album erzeugen. Es sollte so lebendig sein, dass du dich ihm nicht entziehen kannst, ohne Pausen zwischen den Songs – es sollte sich wie ein einziges langes Stück anfühlen. Einige Songs fließen ineinander, doch andere benötigten Übergänge. Dieses Intro ergab sich, als Inflo am Piano saß und ich etwas Bass spielte. Ich begann, eine soulige Melodie in der Art von Marvin Gaye zu singen – ein tiefgründiger, düsterer, melancholischer Anklang an eines seiner 1970er-Alben. Danger Mouse hatte dann eine Idee und fragte: ‚Warum lässt du einiges davon nicht tiefer klingen, damit es sich anders anhört?‘“


Piano Joint (This Kind of Love)

„Ich liebte schon immer melancholische Songs. Je trauriger sie waren, desto besser fühlte ich mich danach. Mit diesem Song war der Moment gekommen, mich wirklich mal auszuprobieren. Ursprünglich sollte es eine Piano-Ballade werden, doch dann dachte ich: ‚Warum versuchen wir es nicht mit Drums?‘ Inflo ist ein wirklich großartiger Drummer, also spielte ich Bass dazu und es klang richtig gut. Ich dachte dabei an den East-Coast-Soul der Siebziger von Gil Scott-Heron. Schließlich arbeiteten wir mit der großartigen Streicher-Arrangeurin Rosie Danvers, die auch schon für fast alle Streicher auf dem letzten Album verantwortlich war. Ich sagte zu ihr: ‚Das ist mein Lieblingsstück, bitte mach daraus etwas Superschönes.‘ Und das tat sie.“


Another Human Being

„Wir arbeiteten an all den verbindenden Parts, für die Danger Mouse zahlreiche Samples gefunden hatte. Hier handelt es sich um einen Nachrichtenbericht [über Sitzblockaden-Proteste für die US-Bürgerrechte in den Sechzigern]. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: ‚Das klingt wunderbar, es leitet perfekt zu ‚Living in Denial‘ über und verändert den Song.‘ Und ja, ich bin von den Siebzigern besessen, aber wie auch die Sechziger waren sie einfach auch so wichtig für junge farbige US-amerikanische Frauen und Männer, was diesem Album eine gewisse zusätzliche Bedeutung verleiht. Es bezieht sich auf Identität und das, was in mir mitschwingt, mit meinem Namen und dem, der ich bin.“


Living in Denial

„So hört es sich an, wenn Inflo, Danger Mouse und ich völlig bei uns und auf einer Wellenlänge sind. Keine Streitigkeiten, lass es einfach passieren, denk nicht groß darüber nach. Es sollte nach einer Soulband klingen, etwa wie The Delfonics, The Isley Brothers, The Temptations oder The Chambers Brothers. Auch hier geht es in den Lyrics wieder um Akzeptanz: ‚You don’t need to seek it, just accept yourself and then whoever wants to hang with you will.‘“


Hero (Intro)

„‚Hero‘ war der Song, den wir als letzten fertiggestellt haben. Als er langsam so klang, wie ich es mir vorgestellt hatte, saß ich da mit meiner Akustikgitarre und spielte dazu. Wir hatten zuvor an dem ‚Piano Joint‘-Intro gearbeitet und ich war dann der Meinung, dass wir uns in dieser Nummer ebenfalls nur aufs Wesentliche beschränken und ihn nicht wie einen straighten Rock ’n’ Roll-Song aufnehmen sollten.“


Hero

„Mit den Lyrics für ‚Hero‘ tat ich mich am schwersten. Wir hatten die Musik und Melodie dafür schon seit ungefähr zwei Jahren. Doch jedes Mal, wenn ich an dem Song arbeitete, hasste ich es – mir fiel einfach nichts ein. Doch dann habe ich von Fred Hampton (Black Panthers) gelesen und wurde mir bewusst über all die Menschen, die ermordet werden oder, wie Hendrix, einen plötzlichen Tod sterben – all jene, die in kürzester Zeit so viel zu geben haben oder so viel tun. Zudem liebe ich die Tatsache, dass Legenden wie Bowie oder Bob Dylan übergroße Figuren erschaffen haben, von denen wir besessen sind. Man wusste eigentlich nicht, wer sie wirklich waren. Das machte mich ziemlich traurig, weil ich dem nicht widerspreche, aber ich weiß auch, dass ich nicht so bin. ‚Am I a hero?‘ fragt also auch: ‚Werde ich mit dem, was ich tue, jemals dieser große Künstler werden, den jeder respektiert?‘ Wieder einmal diese ‚I’m not enough‘-Sache.“


Hard to Say Goodbye

„Dieser Song spiegelt meine Liebe für Isaac Hayes und große Orchester, üppige Streicher und Leute wie David Axelrod wider. Flo kam mit diesem Sample eines Nat King Cole-Songs an – einen einfachen Akkord, mit dem wir herumspielten. Dann spielten wir den Song im Studio mit einem 20-köpfigen Orchester ein – mit Kontrabass, Cello und allem, was dazugehört. Außerdem waren der großartige Pianist Kadeem [Clarke], der sonst mit Little Simz arbeitet, sowie unser Freund Nathan [Allen] an den Drums dabei. Das war ein ziemlich großer Spaß.“


Final Days

„Zunächst wusste ich nicht, ob dieser Song auf das Album passen würde, so in der Art: ‚Er ist schon cool, aber ich liebe ihn nicht‘. Ich schrieb einige Lyrics und dachte: ‚Das ist schon besser, aber irgendetwas fehlt noch‘. Ich assoziierte ihn immer mit dem Weltall und fragte den Tontechniker Kennie [Takahashi]: ‚Gibt es Samples von Menschen im Weltraum?‘ Wir fanden dann Aufnahmen von Astronauten kurz vor dem Absturz, was natürlich ziemlich düster anmutet, aber dies erzeugte genau die noch fehlende emotionale Note, die bei mir Gänsehaut erzeugte. Erst später fanden wir heraus, dass es sich um einen Fake handelte – von einigen Typen, die im Italien der Sechziger für ein Kunstprojekt unterwegs waren oder so.“


Interlude (Loving the People)

„‚Final Days‘ klang eigentlich großartig, aber es benötigte noch ein anderes Ende. Ich hatte bereits eine Melodie auf dem Wurlitzer komponiert und ursprünglich sollte dieses instrumentale Stück das Ende von ‚Final Days‘ markieren, so dass der Song schließlich komplett anders ausklingen würde – wie ein Raumschiff bei der Ankunft an seinem Ziel. Aber ich war begeistert: ‚Lasst es uns ausdehnen, mehr davon!‘ Danger Mouse fiel dann ein Sample von John Lewis [US-Kongressabgeordneter und Anführer der Bürgerrechtsbewegung] in die Hände, das wir schließlich hinzufügten, weil es in Verbindung mit den Akkorden besonders passend und auch ergreifend anmutete.“


Solid Ground

„Wenn man sich all die Sounds, die Streicher und die Interludien wegdenkt, bin ich eigentlich immer noch ein ganz normaler Typ, der seine Songs auf der Gitarre oder am Klavier spielt. Ich war der Meinung, dass das Album auch diesen Aspekt abbilden sollte. Also nahm ich mir ein Arrangement von Rosie vor und vollendete es – ich war allein im Studio und spielte alle Instrumente außer den Drums und derlei ein. ‚Solid Ground‘ ist also mein kleines persönliches Stück, das anders als die anderen entstanden ist. Inhaltlich geht es darum, seinen Platz im Leben zu finden.“


Light

„Ich dachte, ‚Light‘ sei ein schönes verträumtes Stück, um das Album abzuschließen – etwas Licht am Ende dieser langen Reise. Man beendet es mit einer friedvollen Note, etwas Positivem. Für mich steht das Licht für alle guten Dinge – sei es Offensichtliches wie Licht am Ende des Tunnels oder ein unbeschwertes Gefühl in meinem Herzen. Der Gedanke an den Beginn eines neuen Tages – was für eine friedliche, aufregende Sache. Wir können es einfach nicht abwarten.“

UNSERE ANMERKUNGEN

Michael Kiwanuka schien nicht unbedingt der Typ für ein selbstbetiteltes Album zu sein. Auf jeden Fall hatte man nicht erwartet, dass er mit einem königlichen Cover-Porträt ein solch offensichtliches Selbstbewusstsein an den Tag legt. Schließlich handelt es sich hier um eben jenen Singer-Songwriter, der zu den Sessions für Kanye Wests Album „Yeezus“ eingeladen worden war, sich dann aber wegen seines Hochstapler-Syndroms ohne Erklärung zurückgezogen hatte. Diese Art des Selbstzweifels hatte Michael Kiwanuka bereits beeinträchtigt, bevor sein 2012 erschienenes Debüt „Home Again“ für den britischen Mercury Prize nominiert wurde. „Es ist ein irrationales Gefühl, aber das hatte ich schon immer“, erklärt er gegenüber Apple Music. „Es hält dich zwar auf Trab, aber gleichzeitig hat es mich auch frustriert. Ich dachte nur: ‚Ich möchte in der Lage sein, dies zu tun, ohne mir so viele Gedanken zu machen, und Vertrauen in mich als Künstler haben‘. Überlegungen zur Identität ließen ihn darüber nachdenken, wie andere Musiker Kunstfiguren für die Bühne oder für Social Media erschaffen und dadurch ihre eigentliche Persönlichkeit schützen. Das war es auch, was ihn dazu inspirierte, sein drittes Album „KIWANUKA“ zu nennen – eine Art „Anti-Alter Ego“. „Es handelt sich beinahe um ein Statement mir selbst gegenüber“, sagt er. Ich möchte einfach sagen können: ‚Das bin ich, was immer auch geschieht. Die Leute mögen es gut finden oder auch nicht, das ist okay. Zumindest wissen sie, wer ich bin‘“. Kiwanuka ist natürlich schon länger als talentierter Singer-Songwriter bekannt, aber mit „KIWANUKA“ offenbaren sich neue Maßstäbe in Sachen Innovation und Anspruch. Mit Danger Mouse und UK-Producer Inflo an den Reglern – wie bereits für „Love & Hate“ aus dem Jahr 2016 – wird der gereifte Mix aus Soul und Folk weiter in Richtung Psychedelia, Fuzzrock und Kammerpop gelenkt. Im Folgenden nimmt er uns Song für Song mit auf diese Reise.


You Ain’t the Problem

„In diesem Song feiere ich meine Liebe zu Menschen. Wir vergessen oft, wie wunderbar wir sind. Die sozialen Medien haben daran ihren Anteil – all diese Filter, mit denen wir Dinge verbergen, von denen wir denken, dass andere sie nicht mögen. Dinge, von denen wir denken, dass wir nicht zu ihnen passen. Du denkst mehr und mehr, dass all das über dich unwahr ist. Du hast ein Problem damit, wer du bist und wer du eigentlich sein solltest. Ich wollte einen Song schreiben, in dem vermittelt wird, dass du nicht das Problem bist, sondern dass du einfach mehr ‚du‘ sein und dich stärker mit deinem Inneren verbinden musst. Daraus beziehst du den Zauber – ignoriere nicht das, was dich wirklich ausmacht.“


Rolling

„‚Rolling with the times, don’t be late.‘ Ich schätze, dass sich bei mir alles darum dreht ein Künstler zu sein. Ich versuchte immer noch, meinen Platz zu finden, aber du kannst dich mit allem arrangieren und natürlich Dinge tun, die sicherstellen, dass du dazu gehörst – ob es nun darum geht, Dinge online zu posten oder auf dem Laufenden mit den coolsten Platten zu sein oder einfach die richtigen Dinge zu wissen. Es kann aber auch sein, dass du in den Mittdreißigern steckst und nicht verheiratet bist, keine Kinder hast und andere dich ungläubig anschauen. In ‚Rolling‘ geht es darum, sein eigenes Tempo zu finden. Ich dachte an frühe Stooges und französische Alben mit einem Fuzz-Sound wie von Serge Gainsbourg. Ich wollte einen Song machen, der genauso verrückt klingt.“


I’ve Been Dazed

„Eddie Hazel von Funkadelic ist mein Lieblingsgitarrist. Dieser Song hat hymnische Akkorde, weil er in seinen eigenen Kompositionen auch immer wunderschöne hymnische Akkorde hatte. Die Lyrics haben diese melancholische Note und ich singe davon, aus einem Albtraum aufzuwachen, in dem ich jemandem Schritt für Schritt folge oder mich wegen meines geringen Selbstwertgefühls erniedrige – also all das, wogegen ich mich in ‚You Ain’t the Problem‘ widersetze. Das Gefühl ist: ‚Meine Güte, ich kenne diese Art von Albtraum, ich möchte da einfach rauskommen, ich bin bereit.‘“


Piano Joint (This Kind of Love) [Intro]

„Als Teenager flüchtete ich einfach in die Musik einiger Alben, als wenn ich mich aus meinem Leben in die Welt dieser Künstler versetzen könnte. Dieses Gefühl wollte ich auch mit diesem Album erzeugen. Es sollte so lebendig sein, dass du dich ihm nicht entziehen kannst, ohne Pausen zwischen den Songs – es sollte sich wie ein einziges langes Stück anfühlen. Einige Songs fließen ineinander, doch andere benötigten Übergänge. Dieses Intro ergab sich, als Inflo am Piano saß und ich etwas Bass spielte. Ich begann, eine soulige Melodie in der Art von Marvin Gaye zu singen – ein tiefgründiger, düsterer, melancholischer Anklang an eines seiner 1970er-Alben. Danger Mouse hatte dann eine Idee und fragte: ‚Warum lässt du einiges davon nicht tiefer klingen, damit es sich anders anhört?‘“


Piano Joint (This Kind of Love)

„Ich liebte schon immer melancholische Songs. Je trauriger sie waren, desto besser fühlte ich mich danach. Mit diesem Song war der Moment gekommen, mich wirklich mal auszuprobieren. Ursprünglich sollte es eine Piano-Ballade werden, doch dann dachte ich: ‚Warum versuchen wir es nicht mit Drums?‘ Inflo ist ein wirklich großartiger Drummer, also spielte ich Bass dazu und es klang richtig gut. Ich dachte dabei an den East-Coast-Soul der Siebziger von Gil Scott-Heron. Schließlich arbeiteten wir mit der großartigen Streicher-Arrangeurin Rosie Danvers, die auch schon für fast alle Streicher auf dem letzten Album verantwortlich war. Ich sagte zu ihr: ‚Das ist mein Lieblingsstück, bitte mach daraus etwas Superschönes.‘ Und das tat sie.“


Another Human Being

„Wir arbeiteten an all den verbindenden Parts, für die Danger Mouse zahlreiche Samples gefunden hatte. Hier handelt es sich um einen Nachrichtenbericht [über Sitzblockaden-Proteste für die US-Bürgerrechte in den Sechzigern]. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: ‚Das klingt wunderbar, es leitet perfekt zu ‚Living in Denial‘ über und verändert den Song.‘ Und ja, ich bin von den Siebzigern besessen, aber wie auch die Sechziger waren sie einfach auch so wichtig für junge farbige US-amerikanische Frauen und Männer, was diesem Album eine gewisse zusätzliche Bedeutung verleiht. Es bezieht sich auf Identität und das, was in mir mitschwingt, mit meinem Namen und dem, der ich bin.“


Living in Denial

„So hört es sich an, wenn Inflo, Danger Mouse und ich völlig bei uns und auf einer Wellenlänge sind. Keine Streitigkeiten, lass es einfach passieren, denk nicht groß darüber nach. Es sollte nach einer Soulband klingen, etwa wie The Delfonics, The Isley Brothers, The Temptations oder The Chambers Brothers. Auch hier geht es in den Lyrics wieder um Akzeptanz: ‚You don’t need to seek it, just accept yourself and then whoever wants to hang with you will.‘“


Hero (Intro)

„‚Hero‘ war der Song, den wir als letzten fertiggestellt haben. Als er langsam so klang, wie ich es mir vorgestellt hatte, saß ich da mit meiner Akustikgitarre und spielte dazu. Wir hatten zuvor an dem ‚Piano Joint‘-Intro gearbeitet und ich war dann der Meinung, dass wir uns in dieser Nummer ebenfalls nur aufs Wesentliche beschränken und ihn nicht wie einen straighten Rock ’n’ Roll-Song aufnehmen sollten.“


Hero

„Mit den Lyrics für ‚Hero‘ tat ich mich am schwersten. Wir hatten die Musik und Melodie dafür schon seit ungefähr zwei Jahren. Doch jedes Mal, wenn ich an dem Song arbeitete, hasste ich es – mir fiel einfach nichts ein. Doch dann habe ich von Fred Hampton (Black Panthers) gelesen und wurde mir bewusst über all die Menschen, die ermordet werden oder, wie Hendrix, einen plötzlichen Tod sterben – all jene, die in kürzester Zeit so viel zu geben haben oder so viel tun. Zudem liebe ich die Tatsache, dass Legenden wie Bowie oder Bob Dylan übergroße Figuren erschaffen haben, von denen wir besessen sind. Man wusste eigentlich nicht, wer sie wirklich waren. Das machte mich ziemlich traurig, weil ich dem nicht widerspreche, aber ich weiß auch, dass ich nicht so bin. ‚Am I a hero?‘ fragt also auch: ‚Werde ich mit dem, was ich tue, jemals dieser große Künstler werden, den jeder respektiert?‘ Wieder einmal diese ‚I’m not enough‘-Sache.“


Hard to Say Goodbye

„Dieser Song spiegelt meine Liebe für Isaac Hayes und große Orchester, üppige Streicher und Leute wie David Axelrod wider. Flo kam mit diesem Sample eines Nat King Cole-Songs an – einen einfachen Akkord, mit dem wir herumspielten. Dann spielten wir den Song im Studio mit einem 20-köpfigen Orchester ein – mit Kontrabass, Cello und allem, was dazugehört. Außerdem waren der großartige Pianist Kadeem [Clarke], der sonst mit Little Simz arbeitet, sowie unser Freund Nathan [Allen] an den Drums dabei. Das war ein ziemlich großer Spaß.“


Final Days

„Zunächst wusste ich nicht, ob dieser Song auf das Album passen würde, so in der Art: ‚Er ist schon cool, aber ich liebe ihn nicht‘. Ich schrieb einige Lyrics und dachte: ‚Das ist schon besser, aber irgendetwas fehlt noch‘. Ich assoziierte ihn immer mit dem Weltall und fragte den Tontechniker Kennie [Takahashi]: ‚Gibt es Samples von Menschen im Weltraum?‘ Wir fanden dann Aufnahmen von Astronauten kurz vor dem Absturz, was natürlich ziemlich düster anmutet, aber dies erzeugte genau die noch fehlende emotionale Note, die bei mir Gänsehaut erzeugte. Erst später fanden wir heraus, dass es sich um einen Fake handelte – von einigen Typen, die im Italien der Sechziger für ein Kunstprojekt unterwegs waren oder so.“


Interlude (Loving the People)

„‚Final Days‘ klang eigentlich großartig, aber es benötigte noch ein anderes Ende. Ich hatte bereits eine Melodie auf dem Wurlitzer komponiert und ursprünglich sollte dieses instrumentale Stück das Ende von ‚Final Days‘ markieren, so dass der Song schließlich komplett anders ausklingen würde – wie ein Raumschiff bei der Ankunft an seinem Ziel. Aber ich war begeistert: ‚Lasst es uns ausdehnen, mehr davon!‘ Danger Mouse fiel dann ein Sample von John Lewis [US-Kongressabgeordneter und Anführer der Bürgerrechtsbewegung] in die Hände, das wir schließlich hinzufügten, weil es in Verbindung mit den Akkorden besonders passend und auch ergreifend anmutete.“


Solid Ground

„Wenn man sich all die Sounds, die Streicher und die Interludien wegdenkt, bin ich eigentlich immer noch ein ganz normaler Typ, der seine Songs auf der Gitarre oder am Klavier spielt. Ich war der Meinung, dass das Album auch diesen Aspekt abbilden sollte. Also nahm ich mir ein Arrangement von Rosie vor und vollendete es – ich war allein im Studio und spielte alle Instrumente außer den Drums und derlei ein. ‚Solid Ground‘ ist also mein kleines persönliches Stück, das anders als die anderen entstanden ist. Inhaltlich geht es darum, seinen Platz im Leben zu finden.“


Light

„Ich dachte, ‚Light‘ sei ein schönes verträumtes Stück, um das Album abzuschließen – etwas Licht am Ende dieser langen Reise. Man beendet es mit einer friedvollen Note, etwas Positivem. Für mich steht das Licht für alle guten Dinge – sei es Offensichtliches wie Licht am Ende des Tunnels oder ein unbeschwertes Gefühl in meinem Herzen. Der Gedanke an den Beginn eines neuen Tages – was für eine friedliche, aufregende Sache. Wir können es einfach nicht abwarten.“

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