hickey

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Seit ihrem Debütalbum „PRATTS & PAIN“ von 2024 hat sich für den Gitarristen Royel Maddell und den Sänger/Gitarristen Otis Pavlovic – zusammen bekannt als Royel Otis – viel verändert. Dieses Album und die viralen Coverversionen von Sophie Ellis-Bextors „Murder on the Dancefloor“ und „Linger“ von The Cranberries katapultierten das Duo aus Sydney kopfüber in einen Strudel aus Tourneen in Übersee, hochkarätigen Festivals und Late-Night-TV-Auftritten. Die Reisen prägten ihr zweites Album „hickey“. „Wir waren uns definitiv bewusster, wie die Songs live rüberkommen würden“, erzählt Maddell Apple Music. „Wir haben so viel mehr Zeit vor Publikum verbracht.“ Diese Erfahrung, fügt Pavlovic hinzu, habe zur „Schlichtheit“ der Songs auf „hickey“ beigetragen. Einfach mögen die Songs sein, aber klanglich ist das Album vielfältiger und strukturierter als sein Vorgänger. Da sind die üppigen Gesangsharmonien von „come on home“, die fröhlichen Synthesizer in „who’s your boyfriend“ und die opulenten, schwebenden Gitarren in „dancing with myself“. „moody“ verbreitet hingegen eine Slacker-Atmosphäre wie in den 90ern und für den Puls von „say something“ sind sie scheinbar noch ein Jahrzehnt weiter in die Vergangenheit gereist. Die Vielfalt ist laut Pavlovic ein Nebenprodukt des Wunsches, „keine Mauern oder Grenzen zu haben bei dem, was wir zu machen versuchten“. Sie resultiert aber auch aus der Vielzahl der Mitwirkenden: Amy Allen (Sabrina Carpenter, Harry Styles), Lydia Kitto und Josh Lloyd-Watson von Jungle, Omer Fedi (Lil Nas X, Sam Smith) und Blake Slatkin (SZA, Justin Bieber) sowie Julian Bunetta (Teddy Swims, One Direction). Dem verträumten musikalischen Optimismus des Duos steht stets Pavlovics melancholischer Gesang gegenüber. Dieser unterstreicht eines der Hauptthemen des Albums perfekt, inspiriert von einem realistischen Blick auf das Tour-Leben. „Es gibt ein paar Songs, in denen es um Abschiede und Sehnsucht geht“, sagt Maddell. „Ich glaube, wir haben Beziehungen verloren.“ Hier führen Maddell und Pavlovic Apple Music Track für Track durch „hickey“. „i hate this tune“ Royel Maddell (RM): Diesen Text hatten wir für einen anderen Song geschrieben, als wir während der Aufnahmen zu „PRATTS & PAIN“ in einem Pub saßen und Guinness tranken. Als wir den Instrumentaltrack in Palm Springs mit Blake und Omer aufnahmen, überlegten wir, welche Vocals passen könnten – und plötzlich hat Otis angefangen, den Text zu singen, den wir in Großbritannien geschrieben hatten. 
Otis Pavlovic (OP): Aus irgendeinem Grund gibt es ein paar Songs, wahrscheinlich für uns beide, die uns an eine bestimmte Zeit oder Person erinnern. Ich kann’s mir nicht anhören.
RM: Du liebst den Song, aber du kannst nicht anders, als an diese Zeit oder Person zu denken. „moody“ RM: Es geht irgendwie um eine toxische Beziehung, nicht um ein bestimmtes Mädchen. Der Typ, der singt, ist auch selbst launisch [engl. „moody“], weil er ständig etwas Negatives sagt. Wir haben das zusammen mit Amy Allen geschrieben. „good times“ OP: Das war der erste Song, den wir mit Josh von Jungle gemacht haben. Er ist einfach aus einem alten Demo von uns entstanden. Wenn man jemanden zum ersten Mal trifft und eine Session macht, muss man erst mal das Eis brechen und irgendetwas ausprobieren. Das war dann die erste Idee, an der wir gearbeitet haben. Der Song klingt euphorisch, aber im Refrain heißt es: „In good times I doubt myself in front of you.“ („Selbst wenn alles gut ist, zweifle ich vor dir an mir.“) RM: Er klingt fröhlich, ist aber eigentlich negativ. „torn jeans“ RM: Das Stück haben wir mit Chris Collins gemacht. Wir hatten drei Gitarrenstimmen und wir haben einfach ein paar Vocals und so darübergelegt. OP: Einfach die zerrissene Jeans [engl. „torn jeans“] von jemandem bewundern. RM: Einfach die Unvollkommenheiten bewundern. „come on home“ RM: Es geht darum, weit weg von jemandem zu sein. Nicht wirklich Kontrolle darüber zu haben, wo man ist oder wo man sein könnte. Das war auch bei Josh und Lydia von Jungle so. Diese Harmonien klingen sehr nach Lydia. „who’s your boyfriend“ RM: Die Akkorde sind wirklich Standard, aber wir wollten sie möglichst ungewöhnlich gestalten. Also haben wir einen Kapodaster auf die Gitarre gesetzt und versucht, sie maximal seltsam zu spielen, damit es schwer ist, sie rauszuhören. Klanglich haben wir eine Mischung aus den modernen Cure und Joy Division angestrebt. Ich glaube nicht, dass wir auch nur annähernd an eins der beiden herangekommen sind, aber das war unser Ziel. „car“ OP: Den Song haben wir mit Omer und Blake gemacht. Wir haben darüber gesprochen, mit jemandem zusammen zu sein und [die Beziehung] beenden zu wollen, aber eben auch nicht. RM: Nicht wollen, dass die guten Zeiten enden. OP: [Und] das im Auto zu tun – was wir beide schon erlebt haben –, nämlich zu versuchen, sich im Auto zu trennen. RM: Es ist seltsam, in einem Auto Schluss machen zu wollen, weil es klaustrophobisch ist und man in diesem kleinen Raum sitzt. Warum macht man das nicht einfach draußen? „shut up“ 
OP: Diesen Song haben wir mit Blake Slatkin aufgenommen. Es war der letzte, den wir für das Album geschrieben haben – so eine Art Alles-oder-nichts-Moment. Der Song handelt davon, dass man nicht möchte, dass jemand geht. Halt einfach die Klappe [engl. „shut up“], geh nicht weg. RM: Er ist auch super verträumt, daher ist es lustig, ihn „shut up“ zu nennen. „dancing with myself“ RM: Wir wollten einen Song im Stil von Fleetwood Mac machen, aber mit Discoanleihen. OP: Wir haben ihn in einzelnen Teilen geschrieben, was man auch irgendwie heraushören kann. RM: Es geht darum, sich frei zu fühlen und sich keine Gedanken darüber zu machen, was andere Leute denken. „say something“ RM: Als wir planten, mit Blake und Omer zusammenzuarbeiten, fragten sie uns, was für einen Song wir machen wollten. Ich sagte scherzhaft: „Take On Me“ von a‑ha. Der Drumbeat ist eine Anspielung auf „Take On Me“. „she’s got a gun“ OP: Wir haben nach „good times“ mit Josh daran gearbeitet, einfach mal ausprobiert, was daraus werden könnte, und ein paar Ideen über den Bass gelegt. Und ich erinnere mich, dass wir für den Refrain den Song langsamer gemacht und den Text ganz langsam gesungen haben, nur um zu sehen, was passiert. Dabei ist dann die Refrain-Melodie herausgekommen. Ich glaube nicht, dass wir die ohne diesen Schritt gehabt hätten. „more to lose“ OP: Seit den Anfängen der Band haben wir versucht, Melodien über diesen Klavierlauf zu legen. RM: Fünf Jahre! Dann machten wir den Song mit Julian Bunetta und Omer. Wir waren bei Julian in Calabasas, haben Spaß gehabt und Cocktails gemixt, und ich fing einfach an, das auf dem Klavier zu spielen. Jedes Mal, wenn ich am Klavier sitze, spiele ich es und hoffe einfach, dass jemand mit einer Idee um die Ecke kommt. Und genau das ist dann passiert. „jazz burger“ RM: Den Jazz Burger gibt’s wirklich. Er stammt aus dem Jitlada in L.A., einem Thai-Restaurant, und man kann verschiedene Schärfegrade wählen. Wir haben nur Stufe vier von zehn genommen – und es war so scharf, dass sich meine Brust komplett verändert hat. Ich hatte da plötzlich eine Beule, die aussah wie das Horn von einem Nashorn. Dann haben wir uns ein Eis geholt, sind zurück ins Studio und haben den Song gemacht. OP: Royel und ich kamen gerade aus Sydney zurück und hatten uns von einigen Freund:innen und Beziehungen verabschiedet. RM: Es ist wahrscheinlich der ehrlichste Song [auf dem Album] mit dem unehrlichsten – und unpassendsten – Namen überhaupt.

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