

Im Jahr 2020 legte Mariah Carey so viel Herzblut wie nie zuvor in eines der verletzlichsten Werke ihrer Karriere – doch zum ersten Mal war es kein Album. In ihren Memoiren „Mariah – Ganz ich selbst“ offenbarte sie ihre Gefühle über ihr kompliziertes Familienleben, die unzähligen Erfolge ihrer rekordverdächtigen Karriere, die Freuden als Mutter und vieles mehr. Neben ihrer außergewöhnlichen Stimme ist Carey auch eine preisgekrönte Songwriterin und seit ihrem Debüt 1990 für ihr Gespür für Liedtexte bekannt. Doch der Schreibprozess von „Mariah – Ganz ich selbst“, so erzählt sie Apple Music, habe ihr neue Wege im Umgang mit schwierigen Emotionen für ihre Songtexte eröffnet. „Das hat auf jeden Fall etwas mit mir gemacht. Ich wurde ein bisschen verletzlicher, ein bisschen exponierter. Ich konnte mehr ich selbst sein – unabhängig von den Umständen“, sagt sie. „Here For It All“, ihr 16. Studioalbum, ist das erste Projekt, in dem sie sich voll und ganz diesem Prozess der Selbstfindung widmet. Der Beweis dafür findet sich vor allem in den Balladen. „Nothing Is Impossible“ ist eine Ode an ihre eigene Widerstandsfähigkeit: „I dream a greater dream/I fight a greater fight/I overcome it all“ („Ich träume einen größeren Traum / Ich kämpfe einen größeren Kampf / Ich überwinde alles“). Der große, sentimentale Titelsong ist so unverhohlen romantisch, dass er wie eine laut vorgelesene Liebeserklärung klingt: „When you leave/You take a little bit of every fiber that’s embedded in me“ („Wenn du gehst, nimmst du einen Teil von allem mit, was mich ausmacht“). Diese Showstopper sind typisch Carey – genauso wie der kraftvolle Mix aus R&B, Hip‑Hop, Disco, Gospel und Pop. „Am Anfang war ich ein bisschen besorgt, dass das zu viele verschiedene Arten von Songs sind“, erzählt sie. „Und dann dachte ich nur: ‚Mir egal.‘“ Carey ist kompromisslos sie selbst und genießt jeden Ton: Auf „Jesus I Do“ schickt sie gemeinsam mit den Gospel-Legenden The Clark Sisters ihre glockenhelle Stimme in himmlische Höhen. Mit „Type Dangerous“, einem Sample von Eric B. & Rakims „Eric B. Is President“, beschwört sie den Street-Swag der 1990er. Mit „Play This Song“ (feat. Anderson .Paak) reist sie in die 1970er zurück. Und mit „My Love“ interpretiert sie einen Favoriten aus ihrer Kindheit von Paul McCartney & Wings neu. Im Folgenden teilt sie ihre Gedanken zu jedem Song auf „Here For It All“. „Mi“ Es ist eine Ode an Selbstliebe und Selbstfürsorge. Ein bisschen augenzwinkernd, aber trotzdem so ein Song, bei dem viele sagten: „Oh, das liebe ich.“ Ich seh mich dabei jedes Mal in einem Whirlpool. „Play This Song“ (feat. Anderson .Paak) Ich wollte unbedingt mit Anderson arbeiten, weil er so brillant ist in dem, was er tut – einfach ein grandioser Musiker. Im Studio haben wir uns entschieden, etwas mit 70er-Vibe zu machen. So entstand „Play This Song“, ein Track, den ich richtig liebe. Er ist ein großartiger Partner, wenn es ums Musikmachen geht. „Type Dangerous“ Ich war mit Andy [Anderson .Paak] und ein paar Leuten in einem Restaurant in Aspen. Es lief Musik und plötzlich kam „Eric B. Is President“. Ich dachte: „Was? Ich liebe diesen Song, ich hab ihn ewig nicht gehört.“ Am nächsten Tag im Studio haben wir direkt angefangen, damit herumzuexperimentieren und ihn zu samplen. Und dann ging es weiter … Ich hab sie dazu gebracht, es immer und immer wieder zu spielen. „Sugar Sweet“ (feat. Shenseea und Kehlani) [Shenseea und Kehlani] strahlen eine unglaubliche Freiheit aus. Sie sind einfach präsent, sie sind sie selbst. Das macht den Song so viel jünger und lustiger, und ich finde, das ist einfach alles. Ich hatte noch nie ein Trio mit drei starken Frauen, und jetzt die Möglichkeit dazu zu haben, ist großartig. Ich liebe, worum es in dem Song geht, ich liebe seine Botschaft. „In Your Feelings“ Das ist einer dieser Songs, in denen man eine persönliche Geschichte verarbeitet und dann veröffentlicht. Genau das haben wir gemacht. Viele mögen besonders die Stelle „I think you might be getting a little bit too …“ („Ich glaube, du wirst ein bisschen zu …“). Ich mag sie auch. Eigentlich wollte ich nichts Bestimmtes sagen, ich hab einfach den Moment genossen. So richtig zu schätzen gelernt habe ich den Song erst, nachdem er fertig war und ich ihn eine Zeit lang auf mich wirken ließ. „Nothing Is Impossible“ Ich habe mit meinem engen Freund und musikalischen Leiter Daniel Moore ein bisschen was geschrieben und mit Ideen herumgespielt – er am Klavier, ich sang. Wir haben uns gegenseitig in der Melodie begleitet, und den Text habe ich dann zu Hause gemacht. Ich glaube, das ist einer dieser Songs, bei denen ich allein sein musste, in meiner eigenen Welt, um über diese Gefühle zu schreiben. Ich denke, so etwas kann einem wirklich helfen, durch etwas Schwieriges durchzukommen. „Confetti & Champagne“ Es geht um eine Person, mit der man nicht mehr zusammen ist, aber man redet mit ihr, und das war’s. Es ist einem eigentlich egal. Im Kern ist es einfach: „Clink, clink, clink, pow/Look at me now“ („Kling, kling, kling, peng / Sieh mich jetzt an“). „I Won’t Allow It“ Daran haben wir lange gearbeitet – nicht an dem eigentlichen Text und der Musik, sondern eher an der Produktion. Es ist wieder ein Song mit [.Paak], und er ist einfach großartig für diese Art von Vibe. Da bekommt jemand ein paar Mal einen richtigen Laufpass. „I won’t entertain all your narcissistic ways“ („Ich werde mich nicht mit deinen narzisstischen Verhaltensweisen abgeben“) ist mein Lieblingspart. Oder „Should have been more proactive“ („Hätte die Initiative ergreifen sollen“) – solche Stellen bringen mich zum Lachen. „My Love“ Eine Hommage an meine Kindheit. Ich erinnere mich, wie ich als kleines Mädchen mit der Tochter eines Freundes meiner Mutter und deren Freund auf dem Motorrad hinten mitfuhr. Das war ihr Song, und sie waren verliebt. Ich hoffe immer noch, dass Paul McCartney vielleicht etwas dazu spielen könnte – das wäre ein Traum. Er gehört für mich zu den Größten aller Zeiten. Ich habe ihn vorher gefragt, ob ich das Lied aufnehmen darf, und er meinte: „Klar, probier es und schick es mir.“ Und ich dachte: „Wie stell ich das an? Ich möchte wirklich, dass er bei diesem Song mitwirkt, zum Beispiel als Backgroundsänger.“ Ich glaube nicht, dass er das im Moment vorhat, aber vielleicht macht er etwas für die Deluxe-Version. Ich wäre total aus dem Häuschen. Wenn wir über die Emotionen sprechen, die ich beim Singen empfinde, dann geht es darum, einen Menschen zu finden, den man wirklich verehrt und liebt. „Jesus I Do“ (feat. The Clark Sisters) Ich bin ein riesiger Fan der Clark Sisters und liebe ihre Arbeit. Karen Clarks Soloalbum ist einfach köstlich und unvergleichlich. Ich konnte kaum glauben, dass ich hier bin und genau das machen darf. Wir haben den Song gemeinsam geschrieben und gesungen. Ihre Backgroundgesänge inspirieren mich so sehr, dass es für mich etwas Heilendes hat, wenn ich sie mit meinem eigenen Gesang mische. „Here For It All“ Der Song ist etwas ganz Besonderes für mich, deshalb habe ich ihn ans Ende gestellt und das Album danach benannt, weil er so persönlich für mich ist. Ich will gar nicht ins Detail gehen – nur so viel: Ich liebe einfach, wie er endet und dann doch nicht endet. Anfangs dachte ich, dass dies mein Gospel-Song auf dem Album werden würde, weil er genau diese Stimmung transportiert. Aber jetzt haben wir „Jesus I Do“ dabei und das ändert die Sache. Für mich ist dieser Song auf gewisse Weise so typisch „Mariah Carey“, wie es andere Lieder, die ich vor Jahren gemacht habe, nicht waren. Er ist so voller Soul, allein schon aufgrund des Arrangements. Er hat etwas sehr Persönliches, gleichzeitig vermittelt er aber auch etwas, das für andere Menschen wichtig sein kann.