Unsere Anmerkungen Vier Jahre sind seit Julian le Plays letztem Album „Zugvögel“ vergangen. In der Popwelt ist das eine Ewigkeit. Und doch hatte diese lange Zeitspanne ihre Gründe: Zum ersten Mal machte der Österreicher nach der Tour zum Album eine Pause. Er hörte auf, Lieder zu schreiben, verreiste – und bemerkte bald, dass seine bisherige Songwriting-Routine nicht mehr funktionierte. So entschied er sich für einen radikalen Neuanfang. Wo er bisher seine Lieder fast ausschließlich alleine schrieb, arbeitete er für sein viertes Album mit einer Vielzahl von Songwritern und Produzenten zusammen. Das Ergebnis: eine Liedersammlung, die auf den Namen „Tandem“ hört und Le Play als vielseitigen Künstler zeigt. Im „Track by Track“ berichtet er uns von Harry-Potter-Szenerien, schicksalhaften Tattoos, dem Elternhaus als Zufluchtsort und magischen Momenten auf dem Berg.

Leuchtturm
„Leuchttürme haben in mir schon von klein auf eine Faszination ausgelöst. Wenn ich irgendwo am Meer war und einen gesehen habe, ist in mir etwas passiert. Das ist so ein nettes Gebäude, weil es dafür da ist, Schiffe in einen sicheren Hafen zu führen. Ein tolles Bild, das sich auch auf einen Menschen übertragen lässt! Und das mache ich hier.“

Hellwach (Julian le Play und toksi)
„Es gibt auf dem Album sehr persönliche Geschichten. In anderen Stücken ist das Gefühl natürlich zu 100 % persönlich, aber die Storys rundherum werden fast wie in einem Drehbuch oder einem Roman auf andere Menschen übertragen. Für diesen Song habe ich mir ein Setting wie in einem Harry-Potter-Film vorgestellt. Ein einsames Licht in einem kleinen Dorf und eine Bar, in der jeder jeden kennt. Dann kommt diese Frau, die niemand kennt. Und der Protagonist lernt sie kennen. Nach drei Tagen ist sie wieder weg, er liegt hellwach im Bett und kann nicht schlafen – ein Gedankenspiel. toksi, die auf dem Song singt, passt sehr gut, weil sie selbst etwas sehr Geheimnisvolles mitbringt. Das Witzige ist, dass wir uns noch nicht gesehen haben. Erst war sie auf Asien-Rundreise, dann kam Corona.“

Team
„Im ersten Entwurf kamen noch Bonnie und Clyde vor. Aber ich wollte Plattitüden vermeiden, deshalb singe ich stattdessen über Beyonce und JAY-Z. Dieser Moment der Liebe, der nicht mehr von der rosarote Brille geprägt ist, sondern in dem es um andere Werte geht, darum, dass man füreinander da ist, dass man ein Team ist – davon handelt dieser Song.“

Das sind die Nächte
„Ein Lied über das Feiern. Gute Nächte sind immer die, nach denen man sich nicht an alles erinnert. Aber das, an das man sich erinnert, ist gut. Eine gute Nacht ist es auch dann, wenn es einem gelingt, den Kopf auszuschalten und man total im Gespräch aufgeht, in der Musik oder in einem Feeling. Das kann mit fünf guten Freunden an einem Tisch sein, aber auch bei einem Rave, an dem man keine Sekunde an den Tag danach denken muss.“

Stein ins Meer
„Das war der Song, mit dem alles anfing. Er entstand zu einer Zeit, in der ich eigentlich gar keine Musik schreiben wollte. Ich habe mit 19 Jahren begonnen, Alben zu veröffentlichen. Ich dachte immer, Inspiration ist eine Quelle, die immer da ist. Wenn ich sie brauche, gehe ich hin und schöpfe aus ihr. Nach dem dritten Album habe ich gemerkt: Das ist gar nicht so. Das war nach meiner Tour, dann auch noch im Winter – eine toxische Mischung. Meine Schwester war zu der Zeit in Sri Lanka und sagte: ‚Komm rüber.‘ Ich flog sehr spontan dorthin, ohne Keyboard und Gitarre. Und plötzlich platzte der Knoten. Eigentlich geht es darum, aus der Passivität auszubrechen.“

Sterne
„Wenn es mit dem Schreiben von neuem Material noch nicht so einfach ist, man in einer Krise ist, dann fragt man sich immer: Wer kann mich erden? Was sind meine Wurzeln? So kamen mir die ersten Worte: ‚Bei dir zu Hause brennt immer Licht.‘ Meine Eltern leben beide glücklicherweise noch, aber man macht sich natürlich Gedanken: Was passiert, wenn das nicht mehr so ist? Da fand ich es eine versöhnliche Idee, dass sie einen so sehr geprägt haben, dass sie für immer in einem bleiben werden. Das Bild mit den Sternen im Refrain stammt übrigens aus dem Film ‚König der Löwen‘.“

Millionär
„Am Anfang stand diese eine Zeile: ‚Ich hab Millionen Ideen. Ich bin ein Millionär.‘ Das hat mir gefallen, aber ich hätte nie gedacht, dass ich ein richtiges Lied daraus machen würde. Irgendjemand hat gemeint: ‚Das ist fast ein Yogi-Song.‘ Es ist ein Push-Song, ein Motivationssong. Es geht auf jeden Fall nicht um materiellen Reichtum.“

Für immer jung
„Silvester ist ja immer so eine Zeit, wo man zwar Vorsätze für das nächste Jahr fasst – aber eigentlich zurückschaut. In dem Fall auf ein sehr gutes Jahr, nämlich das, in dem ich wieder anfing, Songs zu schreiben, mit all diesen tollen Leuten zusammenarbeitete und einen wunderbaren Sommer hatte. In dem Jahr war ich in Barcelona auf dem Konzert von Beyonce und JAY-Z, wo sie gegen Ende „Young Forever“ spielten. Das hörte ich dann noch mal an und dachte, dass das gar nicht stimmt. Es ist doch eher so: Man ist nun mal nicht sein Leben lang jung, aber jetzt ist man es – und hat eine geile Zeit. Und in genau der soll man leben!“

Du & Ich
„Florence, eine Songwriterin, mit der ich viel gearbeitet habe, war an einem Tag total aus dem Häuschen, weil es in ihrer WG irgendwelche Probleme nach einer Party gab, wegen denen sogar jemand ausziehen wollte. Ich habe nie in einer WG gewohnt, mich hat aber WG-Leben immer sehr interessiert. Ich habe Florence dann ausgequetscht, mir Geschichten erzählen lassen – und irgendwann wurde aus dieser WG-Party ein Song: 4 Uhr morgens in der Früh, die Frage lautet: ‚Geht man noch in den Club?‘ Aber alle anderen sind schon gegangen oder haben sich zurückgezogen. Und plötzlich sitzt man zu zweit am Küchentisch und denkt: ‚Wow!‘“

Wenn alles brennt
„Dieses Lied ist an eine bestimmte Person gerichtet, die eine Zeit lang sehr getaumelt hat. Ich erzähle da von den Sachen, zu denen man greift, wenn es einem nicht gut geht – die meistens aber nicht unbedingt hilfreich sind. Ob das jetzt der Instagram-Filter oder der überstürzte Trip nach Thailand ist, um da Yoga am Strand zu machen – eben diese Selbstfindung, die nicht immer Sinn ergibt. All das möchte stattdessen ich für diese Person sein, es ist ein Angebot. Ich singe da: ‚Wenn du wen zum Reden brauchst, ich lass mein Handy laut. Für dich bleib ich gerne auf.‘ Soundtechnisch ist es ein prägender Song für die Platte, weil es der erste war, auf dem ich mich elektronisch ausgetobt habe.“

No more drama
„Bei diesem Song war zuerst der Titel da. Ich habe so eine Sammlung an Sätzen und Symbolen, mit denen ich gerne spiele, wenn wir jammen. Das Lied ist gar nicht so zwischenmenschlich gemeint, wie man vermuten könnte. Eher ist es eine Utopie, dass über Nacht eine Gruppe von Menschen loszieht und diesen Claim überall hinknallt. An die Wand sprayt, aus dem Flugzeug wirft und den Leuten so eine neue Geisteshaltung vermittelt.“

Hurricane
„Ein sehr persönlicher Song. Es geht um eine toxische Beziehung, aus der man sich selbst nicht lösen kann. Eigentlich sehnt man den Hurricane also fast herbei. Weil der einen mitreißt, einen wegzieht. Man hat nicht ganz die Kontrolle, aber es fühlt sich gut an.“

Sonne & Mond (feat. Madeline Juno)
„Madeline Juno, mit der ich hier singe, habe ich 2016 in einem Berliner Club kennengelernt. Ich bin ein riesiger Fan, seit ich zum ersten Mal ihre Musik gehört habe. Sie spielt auch mit dunkleren Themen, das hat perfekt zu dem Song gepasst. Zufälligerweise hat sie, kurz bevor ich sie angefragt habe, sogar Sonne und Mond auf ihren Arm tätowiert!“

Still
„Der Song fällt aus einem Grund aus dieser Platte raus: Als einzigen habe ich ihn komplett alleine geschrieben. Das war während einer Writing Session in Mannheim, alle anderen waren schon nach Hause gegangen, es war zwei Uhr nachts. Da brach es plötzlich mit mir durch. Ein paar Sachen kamen hoch, die ich lange unterdrückt hatte. Darüber singe ich.“

Bergauf
„Wir haben das Album zum Teil in einer Berghütte oberhalb von Innsbruck aufgenommen. Das ist der Song, der davon erzählt. Es entstand nach einem total ausgelassenen Tag, und ich denke, das hört man auch. Ich singe da dieses ‚Jetzt fühl ich mich wieder leichter‘ auf eine fast alpine Weise. Ich gröle das fast, es klingt beinahe betrunken. Die Geschichte ist nämlich auch die einer Befreiung, erzählt von dem Moment, ab dem es eben wieder bergauf geht: Da stehe ich auf dem Berg und schaue ins Tal: ‚Die Stadt ist wie ein Diamant, sie leuchtet zu mir rauf!‘“

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