Unsere Anmerkungen Im Juli 2018 war Glass Animals-Drummer Joe Seaward in Dublin mit seinem Fahrrad unterwegs, als er von einem Truck angefahren wurde und fast gestorben wäre. Nachdem er Wochen im Krankenhaus verbracht hatte, ohne sprechen oder sich bewegen zu können, lernte er, wieder zu gehen, zu sprechen und zu lesen, während sich sein Körper langsam erholte. Für seine Bandkollegen war es eine schmerzhafte und tiefgehende Erfahrung, die Dave Bayley dazu veranlasste, sich „auszuklinken“ und sich existenziellen Fragen über Traumata, Kunst und Sterblichkeit zu stellen. „Ich habe an Geschichten aus meiner Kindheit in Texas zurückgedacht, bevor für meine Familie England zur neuen Heimat wurde“, erzählt er Apple Music. Diese Erfahrung war nicht gerade schön. „Man fühlt sich an seltsame Orte zurückversetzt.“

Bayley mag es nicht besonders, über sich selbst zu schreiben. Dennoch griff er für das introspektive dritte Album der Band auf seine Erinnerungen zurück – vor allem auf die emotional aufgeladenen Momente, wenn die Unschuld verloren geht. Zusammengefügt aus Ausschnitten aus Heimvideos seiner Familie und produktionstechnisch vom Hip-Hop der frühen 2000er-Jahre inspiriert (dem Soundtrack seiner Jugend), wirft „Dreamland“ ein äußerst persönliches Schlaglicht auf Bayleys Weg zum Erwachsenwerden, das einer ewig präsenten Frage nachgeht: „Wie bin ich bis hierhin gekommen?“ Im Folgenden spricht der in London lebende Musiker über die Storys hinter einigen hervorstechenden Songs auf „Dreamland“.

Space Ghost Coast To Coast
„Ich habe versucht, dies hier etwas im Unklaren zu lassen, weil ich es hasse, die Identität von jemandem preiszugeben – und diese Person im Speziellen hat sich unglaublicherweise wieder zurückgekämpft. Dieser Song handelt von einem sehr guten Freund, mit dem ich aufgewachsen bin, damals in den prägenden Jahren, als ich das erste Mal mit Hip-Hop in Berührung kam – Eminem, Busta Rhymes, Missy Elliott, denen ich mit der Produktion nachzueifern versuchte – und mich auch selbst entdeckte. Wir gingen zusammen zum Campen, wir gerieten zusammen in Schwierigkeiten, aber wir waren beide stets allem gegenüber nervös und schüchtern. Alles war von Sanftmut geprägt. Als meine Familie nach England ging, riss der Kontakt ab, doch einige Jahre später habe ich erfahren, dass er die Schule mit einem Gewehr aufgesucht hatte, um um sich zu schießen. Auf dem Weg ins Gebäude wurde er gefasst und niemand wurde getötet, aber das hat mich sehr beschäftigt. Es wollte nicht in meinen Kopf. Er war derjenige, mit dem ich mir Zeichentrickfilme angesehen und Kickball gespielt hatte … Ich konnte es nicht verstehen. Es war das erste Mal, dass mir wirklich klar wurde, wie sehr sich Dinge verändern können – dass Menschen, die man liebt, Dinge tun, die man niemals verstehen wird. Es war wie das Zerbrechen der Unschuld.“

It’s All So Incredibly Loud
„In diesem Song geht es darum, etwas zu sagen, von dem du weißt, dass es jemanden sehr verletzen wird – etwas, das diese Person dir niemals vergeben wird und das vermutlich dazu führen wird, dass sie dich hasst – und um die drei Sekunden, unmittelbar nachdem du es gesagt hast. Diese Stille, die sich wie der größte Mist aller Zeiten anfühlt. Ich hatte zunächst einen bestimmten Moment im Kopf, doch dann fing ich an, an all die Zeiten zurückzudenken, in denen ich … gut, vielleicht kein Arsch war, aber ziemlich nah dran. All diese Male, wenn ich jemanden verletzt hatte und damit umgehen musste, wie es sich anfühlte. Im Vergleich zu den anderen Songs auf dem Album ist dieser ziemlich abstrakt, weil es mir wichtig war, dass er auf viele verschiedene Situationen zutrifft.“

Domestic Bliss
„Dieser Song wurde von einer meiner frühesten Erinnerungen inspiriert, in der ich zum ersten Mal eine komplette Abfolge an Ereignissen zurückverfolgen kann. Ich war vielleicht sechs Jahre alt und war zu Hause bei meinem Freund, einem seltsamen Ort. Dort gab es Hunde und wilde Katzen in Käfigen. Ich konnte es nicht wirklich verstehen. Wir durften nicht ins Haus, spielten stattdessen immer im Wald in der Nähe – aber ab und zu drang lautes Geschrei nach draußen. Mein Freund meinte zu mir: ‚Oh Gott, sie wird gleich rauskommen und weinen.‘ Seine Mutter kam in Tränen aufgelöst aus dem Haus, mit Blut an der Nase und so. Ich erinnere mich, dass es mich betroffen machte, einfach weil es so schlimm war. Dann ging es zurück in den Truck und sie fuhr mich nach Hause. Ich schätze, in dem Song geht es um die Hilflosigkeit, der man in solchen Situationen ausgesetzt ist. Wenn man weiß, dass es schlimm ist, aber man ist zu jung, um es wirklich zu verstehen.“

Heat Waves
„Es begann mit einer persönlichen Erfahrung, die jeder schon mal gemacht hat: Ein Freund datet neuerdings jemanden und verändert langsam seinen Klamottengeschmack. Dann die Art, wie er sich ausdrückt. Und dann alles. Schließlich läuft es darauf hinaus, dass man sich fragt: ‚Wer ist das? Wo ist mein Freund geblieben?‘ Okay, dieser Song handelt davon zu erkennen, dass es dir passiert ist, aber dass du dich verändert hast. Du bist zu jemand anderem geworden. Ich habe versucht, herauszufinden, ob das gut ist oder schlecht, aber ich denke, letztlich läufst du gegen eine Wand – ein Punkt, an dem du dich nicht mehr ändern kannst oder dich verleugnen würdest. Du wirst zu einem Anhängsel für diese andere Person. Es ist mir passiert und ich habe bemerkt, dass es vielen Freunden genauso ergangen ist. Und dann kommt der Moment, in dem du dich im Spiegel betrachtest und denkst: ‚Fuck.‘ In alle Texte spielt das mit rein – Trugbilder und Halluzinationen und so.“

Helium
„Das hier ist der einzige Song, der so etwas wie einen Abschluss hat. Er ist aber auch nicht sonderlich originell. Es geht generell darum, dass wir akzeptieren müssen, dass wir alle unser Bestes geben. Wir tun dies angesichts schwieriger Voraussetzungen mit all diesen heftigen Dellen – denn es ist niemals perfekt, oder? Aber wir versuchen es zumindest. Wir bauen uns etwas auf, leben ein Leben, wir geben unser Bestes. Und das ist völlig in Ordnung. An diesem Punkt des Schreibprozesses kam ich deutlich besser damit klar, ständig irritiert zu sein. Ich hatte damit aufgehört, nach Antworten zu suchen und mir zu wünschen, dass ich alles anders gemacht hätte. Es war befreiend, an diesen Punkt gelangt zu sein. Häufig blickt man zurück und stellt fest, dass man es falsch gemacht hat. Aber man muss sich selbst vergeben, weil man daraus vermutlich – hoffentlich – als bessere Person hervorgegangen ist. Die Menschen verbringen so viel Zeit damit, zu versuchen, für immer ein Kind zu bleiben und in ihrer Jugend zu schwelgen. Doch der eigentliche Grund dafür, dass diese Erinnerungen so wichtig für uns sind, liegt in dem Erkenntnisgewinn, den wir aus ihnen gezogen haben. Selbst wenn wir zurückgehen könnten, würden wir es wahrscheinlich nicht tun – denn diese Erinnerungen haben uns zu den Menschen gemacht, die wir sind.“Im Juli 2018 war Glass Animals-Drummer Joe Seaward in Dublin mit seinem Fahrrad unterwegs, als er von einem Truck angefahren wurde und fast gestorben wäre. Nachdem er Wochen im Krankenhaus verbracht hatte, ohne sprechen oder sich bewegen zu können, lernte er, wieder zu gehen, zu sprechen und zu lesen, während sich sein Körper langsam erholte. Für seine Bandkollegen war es eine schmerzhafte und tiefgehende Erfahrung, die Dave Bayley dazu veranlasste, sich „auszuklinken“ und sich existenziellen Fragen über Traumata, Kunst und Sterblichkeit zu stellen. „Ich habe an Geschichten aus meiner Kindheit in Texas zurückgedacht, bevor für meine Familie England zur neuen Heimat wurde“, erzählt er Apple Music. Diese Erfahrung war nicht gerade schön. „Man fühlt sich an seltsame Orte zurückversetzt.“

Bayley mag es nicht besonders, über sich selbst zu schreiben. Dennoch griff er für das introspektive dritte Album der Band auf seine Erinnerungen zurück – vor allem auf die emotional aufgeladenen Momente, wenn die Unschuld verloren geht. Zusammengefügt aus Ausschnitten aus Heimvideos seiner Familie und produktionstechnisch vom Hip-Hop der frühen 2000er-Jahre inspiriert (dem Soundtrack seiner Jugend), wirft „Dreamland“ ein äußerst persönliches Schlaglicht auf Bayleys Weg zum Erwachsenwerden, das einer ewig präsenten Frage nachgeht: „Wie bin ich bis hierhin gekommen?“ Im Folgenden spricht der in London lebende Musiker über die Storys hinter einigen hervorstechenden Songs auf „Dreamland“.

Space Ghost Coast To Coast
„Ich habe versucht, dies hier etwas im Unklaren zu lassen, weil ich es hasse, die Identität von jemandem preiszugeben – und diese Person im Speziellen hat sich unglaublicherweise wieder zurückgekämpft. Dieser Song handelt von einem sehr guten Freund, mit dem ich aufgewachsen bin, damals in den prägenden Jahren, als ich das erste Mal mit Hip-Hop in Berührung kam – Eminem, Busta Rhymes, Missy Elliott, denen ich mit der Produktion nachzueifern versuchte – und mich auch selbst entdeckte. Wir gingen zusammen zum Campen, wir gerieten zusammen in Schwierigkeiten, aber wir waren beide stets allem gegenüber nervös und schüchtern. Alles war von Sanftmut geprägt. Als meine Familie nach England ging, riss der Kontakt ab, doch einige Jahre später habe ich erfahren, dass er die Schule mit einem Gewehr aufgesucht hatte, um um sich zu schießen. Auf dem Weg ins Gebäude wurde er gefasst und niemand wurde getötet, aber das hat mich sehr beschäftigt. Es wollte nicht in meinen Kopf. Er war derjenige, mit dem ich mir Zeichentrickfilme angesehen und Kickball gespielt hatte … Ich konnte es nicht verstehen. Es war das erste Mal, dass mir wirklich klar wurde, wie sehr sich Dinge verändern können – dass Menschen, die man liebt, Dinge tun, die man niemals verstehen wird. Es war wie das Zerbrechen der Unschuld.“

It’s All So Incredibly Loud
„In diesem Song geht es darum, etwas zu sagen, von dem du weißt, dass es jemanden sehr verletzen wird – etwas, das diese Person dir niemals vergeben wird und das vermutlich dazu führen wird, dass sie dich hasst – und um die drei Sekunden, unmittelbar nachdem du es gesagt hast. Diese Stille, die sich wie der größte Mist aller Zeiten anfühlt. Ich hatte zunächst einen bestimmten Moment im Kopf, doch dann fing ich an, an all die Zeiten zurückzudenken, in denen ich … gut, vielleicht kein Arsch war, aber ziemlich nah dran. All diese Male, wenn ich jemanden verletzt hatte und damit umgehen musste, wie es sich anfühlte. Im Vergleich zu den anderen Songs auf dem Album ist dieser ziemlich abstrakt, weil es mir wichtig war, dass er auf viele verschiedene Situationen zutrifft.“

Domestic Bliss
„Dieser Song wurde von einer meiner frühesten Erinnerungen inspiriert, in der ich zum ersten Mal eine komplette Abfolge an Ereignissen zurückverfolgen kann. Ich war vielleicht sechs Jahre alt und war zu Hause bei meinem Freund, einem seltsamen Ort. Dort gab es Hunde und wilde Katzen in Käfigen. Ich konnte es nicht wirklich verstehen. Wir durften nicht ins Haus, spielten stattdessen immer im Wald in der Nähe – aber ab und zu drang lautes Geschrei nach draußen. Mein Freund meinte zu mir: ‚Oh Gott, sie wird gleich rauskommen und weinen.‘ Seine Mutter kam in Tränen aufgelöst aus dem Haus, mit Blut an der Nase und so. Ich erinnere mich, dass es mich betroffen machte, einfach weil es so schlimm war. Dann ging es zurück in den Truck und sie fuhr mich nach Hause. Ich schätze, in dem Song geht es um die Hilflosigkeit, der man in solchen Situationen ausgesetzt ist. Wenn man weiß, dass es schlimm ist, aber man ist zu jung, um es wirklich zu verstehen.“

Heat Waves
„Es begann mit einer persönlichen Erfahrung, die jeder schon mal gemacht hat: Ein Freund datet neuerdings jemanden und verändert langsam seinen Klamottengeschmack. Dann die Art, wie er sich ausdrückt. Und dann alles. Schließlich läuft es darauf hinaus, dass man sich fragt: ‚Wer ist das? Wo ist mein Freund geblieben?‘ Okay, dieser Song handelt davon zu erkennen, dass es dir passiert ist, aber dass du dich verändert hast. Du bist zu jemand anderem geworden. Ich habe versucht, herauszufinden, ob das gut ist oder schlecht, aber ich denke, letztlich läufst du gegen eine Wand – ein Punkt, an dem du dich nicht mehr ändern kannst oder dich verleugnen würdest. Du wirst zu einem Anhängsel für diese andere Person. Es ist mir passiert und ich habe bemerkt, dass es vielen Freunden genauso ergangen ist. Und dann kommt der Moment, in dem du dich im Spiegel betrachtest und denkst: ‚Fuck.‘ In alle Texte spielt das mit rein – Trugbilder und Halluzinationen und so.“

Helium
„Das hier ist der einzige Song, der so etwas wie einen Abschluss hat. Er ist aber auch nicht sonderlich originell. Es geht generell darum, dass wir akzeptieren müssen, dass wir alle unser Bestes geben. Wir tun dies angesichts schwieriger Voraussetzungen mit all diesen heftigen Dellen – denn es ist niemals perfekt, oder? Aber wir versuchen es zumindest. Wir bauen uns etwas auf, leben ein Leben, wir geben unser Bestes. Und das ist völlig in Ordnung. An diesem Punkt des Schreibprozesses kam ich deutlich besser damit klar, ständig irritiert zu sein. Ich hatte damit aufgehört, nach Antworten zu suchen und mir zu wünschen, dass ich alles anders gemacht hätte. Es war befreiend, an diesen Punkt gelangt zu sein. Häufig blickt man zurück und stellt fest, dass man es falsch gemacht hat. Aber man muss sich selbst vergeben, weil man daraus vermutlich – hoffentlich – als bessere Person hervorgegangen ist. Die Menschen verbringen so viel Zeit damit, zu versuchen, für immer ein Kind zu bleiben und in ihrer Jugend zu schwelgen. Doch der eigentliche Grund dafür, dass diese Erinnerungen so wichtig für uns sind, liegt in dem Erkenntnisgewinn, den wir aus ihnen gezogen haben. Selbst wenn wir zurückgehen könnten, würden wir es wahrscheinlich nicht tun – denn diese Erinnerungen haben uns zu den Menschen gemacht, die wir sind.“

TITEL
Dreamland
1
3:23
 
Tangerine
2
3:20
 
((home movie: 1994))
3
0:07
 
Hot Sugar
4
3:54
 
((home movie: btx))
5
0:13
 
Space Ghost Coast To Coast
6
3:07
 
Tokyo Drifting
7
3:36
 
Melon and the Coconut
8
2:28
 
Your Love (Déjà Vu)
9
3:54
 
Waterfalls Coming Out Your Mouth
10
2:41
 
It’s All So Incredibly Loud
11
4:19
 
((home movie: rockets))
12
1:00
 
Domestic Bliss
13
3:18
 
Heat Waves
14
3:58
 
((home movie: shoes on))
15
0:31
 
Helium
16
5:28
 

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