14 Titel, 32 Minuten

UNSERE ANMERKUNGEN

Wer das Blood Orange-Album „Negro Swan“ aus dem Jahr 2018 noch nicht gehört hat, der sollte zum Einstieg damit beginnen. Die ergreifenden Soundscapes und gesprochenen Kommentare über das Leben schwarzer Menschen, Depressionen und Ängste gehen unter die Haut (und zeigen zugleich den beeindruckenden Anspruch und die Kunstfertigkeit von Devonté Hynes). Danach ist man bereit für sein allererstes offizielles Mixtape, das als Epilog zu „Swan“ zu verstehen ist und das Hynes als eine Art „Stream of Consciousness“-Tagebucheintrag“ beschreibt. Einen Tagebucheintrag, der letztlich so etwas wie Heilung verspricht. „Es endet hoffnungsvoll“, erklärt er gegenüber Apple Music, „oder versucht es zumindest. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das je zuvor gelungen ist, aber diesmal wollte ich es schaffen.“ Die Erfahrungen in einem Jahr voller politischer und kultureller Unruhen und der Verlust einiger enger Freunde wie Rapper Mac Miller brachten Hynes dazu, mehr Musik zu veröffentlichen und neue Töne anzuschlagen. „Angel’s Pulse“ ist vielseitig, abwechslungsreich und psychedelisch wie eine Achterbahnfahrt durch die verborgenen Winkel seiner Seele. Aber, wie Hynes betont, handelt es sich dabei nicht um ein offen politisches Statement: „Wenn Dinge dabei sind, die als politisch aufgefasst werden, dann liegt es daran, dass ich viel von dem mitbekomme, was in der Welt passiert“, sagt er. „Als jemand, der mit seiner Sexualität zu kämpfen hatte, der schwarz ist, der in Essex und Barking aufwuchs und dann nach New York kam, der 33 Jahre alt ist und vor und nach dem Internet gelebt hat, der in einer Zeit lebt, in der selbst der Kauf von Kaffee politisch ist – natürlich ist meine Musik da auch politisch. Aber sie ist mein Tagebuch, nicht meine Agenda. Mein Ziel ist, einfach ehrlich zu sein.“

„I Wanna C U“
„Ich denke, dass Leute, die Blood Orange-Fans sind oder die beim letzten Album dazugestoßen sind, so etwas am wenigsten erwarten, wenn sie den ersten Track abspielen. Damit gibt er den Ton vor. Es sind einfach Live-Drums, Bass und Gitarre. Das ist meine Art zu sagen: ‚Vergiss deine Erwartungen.‘ Gleichzeitig versuche ich auch, mich ein wenig zurückzuhalten. Ich möchte nicht irgendeine bestimmte Aussage mit meiner Musik treffen, sondern eher Gedanken und Themen ausloten. Mein Ansatz dabei ist, sie möglichst einladend zu gestalten. Anstatt mich selbst auf irgendjemand anderen zu projizieren, mache ich mein eigenes Ding und sage: ‚Dies ist meine Welt und jeder ist darin willkommen.‘“

„Something to Do“
„Ursprünglich habe ich das im Februar [2019] in Paris geschrieben und immer im Hinterkopf behalten. Manchmal schwirren mir bestimmte Melodien, Akkordfolgen und Texte im Kopf herum, die ich mir dann zu unterschiedlichen Zeiten nochmal vornehme, um verschiedene Dinge damit anzustellen. Es gibt wahrscheinlich fünf verschiedene Versionen dieses Songs und vielleicht sogar bald eine sechste. Aber fürs Erste ist dies die Version, die das Rennen machte.“

„Dark & Handsome“ (feat. Toro y Moi)
„Ich mietete einen Monat lang ein Haus in L.A., in dem ich mich verschanzt und rund um die Uhr Musik gemacht habe. Dies ist einer der ersten Songs, der in dieser Zeit entstand und der für mich einen meiner besten Texte hat. Ich glaube, ich habe da wirklich alle Gefühle und Emotionen rausgelassen, die in mir brodelten. Es geht um Trauer – Trauer, Tod und Selbstmord. Der Song ist eine Meditation über diese drei Themen, denn 2018 habe ich selbst ein paar Freunde verloren. Es geht jedoch auch um Leute, die nicht gestorben sind.“

„Benzo“
„Mit dem Mix für diesen Track bin ich sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl, ein Maß an Klarheit erreicht zu haben, das mir schon seit Jahren vorschwebte. Der Sound ist klar und präzise, aber dennoch kaschiert dieses Stück nicht seine Entstehung, ganz persönlich, in meiner Wohnung. Ich versuche immer, das Gleichgewicht zwischen fetten Drums und klar abgegrenzten Strukturen zu finden. Hier handelt es sich um einen Song, bei dem meines Erachtens die Abmischung zur Stimmung passt. Textlich behandelt er das Gefühl, dass niemand bemerkt, welchen Wert du hast, während dir gleichzeitig klar ist, dass das sowieso nur ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins ist. Hier ließ ich meine Gedanken kreisen.“

„Birmingham“ (feat. Kelsey Lu & Ian Isiah)
„Ich wollte, dass sich das hier wie ein unerwartetes neues Kapitel anfühlt. Ich habe es an das Ende von ‚Benzo‘ gesetzt, damit es sich so anfühlt, als ob jemand die Tür eintritt. Der Text ist eigentlich ein Gedicht von Dudley Randall mit dem Titel ‚Ballad of Birmingham‘. Es geht darin um den Anschlag auf eine Kirche in den frühen 1960er-Jahren [in Alabama] und, ja, auch um die Liebe eines Jungen. Ich habe schon einige musikalische Bearbeitungen dieses Textes gehört, die sich dann jedes Mal bei mir festgesetzt haben. Selbst wenn Leute nicht wissen, wovon der Text handelt, so hoffe ich doch, dass die Musik dieses Gefühl von Trauer und Schmerz transportiert. Sie ist voller Energie.“

„Good for You“ (feat. Justine Skye)
„Justine ist einfach toll. Hin und wieder buche ich das [New Yorker Aufnahmestudio] Electric Lady und lade Leute dorthin ein. An diesem Tag hatte ich gerade die Musik für diesen Track fertig, und sie kam vorbei, um abzuhängen. Sie hat so ziemlich – also nicht nur so ziemlich, sondern tatsächlich – den ganzen Song als Freestyle gemacht. Allein deshalb halte ich sie für verrückt.“

„Baby Florence (Figure)“
„Achtung, Überraschung: Das hier wurde in Florenz aufgenommen. Der Titel ist nicht sehr fantasievoll. Ich verbrachte dort einige Zeit, in der ich an ein paar Stücken arbeitete und einige Piano-Sequenzen einspielte. So habe ich auch diesen Song geschrieben. Es ist einer meiner Lieblingssongs.“

„Gold Teeth“ (feat. Project Pat, Gangsta Boo & Tinashe)
„Ich war schon immer begeistert von Three 6 Mafia. Bei diesem Song arbeitete ich mit Venus X, einer New Yorker DJane, zusammen, und sie sagte: ‚Weißt du, Gangsta Boo wäre perfekt hierfür.‘ Ich: ‚Klar, das wäre irre.‘ Und sie: ‚Na ja, ich kenne sie, sie lebt jetzt in L.A.‘ Und am nächsten Tag kam sie vorbei. Danach rief ich Project Pat an, mit dem ich auf meinem letzten Album zusammengearbeitet habe, um ihn zu fragen, ob ich seinen Gesang sampeln dürfte. Danach erklärte er mir, er wolle seinen eigenen Verse haben. Und ich sagte: ‚Nur zu!‘“

„Berlin“ (feat. Porches & Ian Isiah)
„Während einer Europatournee spielte ich eine Show in Berlin, und wie ihr euch denken könnt, entstand das hier richtig spät in der Nacht. Es hat so einen After-Hours-Vibe. Eigentlich fertig geschrieben habe ich den Track in Helsinki und ihn dann Aaron, besser bekannt als Porches, vorgespielt, als ich wieder in New York war. Ich sagte ihm, ‚Mach irgendwas damit‘ – so arbeite ich immer mit Freunden – und das tat er dann auch.“

„This Tuesday Feeling (Choose to Stay)“ (feat. Tinashe)
„Ich versuche immer, verschiedene Welten miteinander zu verbinden, Dinge, von denen ich ein großer Fan bin. Auf diesem Song wollte ich etwas in Richtung Pixies machen, aber auch etwas, das sich nach den frühen N.E.R.D anhört. Das schwebte mir hier vor.“

„Seven Hours Part 1“ (feat. BennY RevivaL)
„Benny ist der Beste. Er ist einer meiner absoluten Lieblingskünstler. Ich besitze jedes seiner 17 Alben. Viele Leute kennen ihn nicht, und das ist echt schade, weil er so verdammt gut ist. Ich hatte das Glück, mich durch meinen Freund Despot auch mit ihm anfreunden zu können, und so ist er einfach nach New York gekommen, um abzuhängen. Ihn auf dem Track zu haben, ist ein Traum, denn eigentlich ist es das erste Feature, das er je gemacht hat.“

„Take It Back“ (feat. Arca, Joba & Justine Skye)
„Ich sage immer, Songs sind etwas, das ich beginne und das ich vollende. Alles dazwischen lasse ich von anderen erledigen. Wie Arca in die Sache hineingezogen wurde, ist eigentlich recht lustig. Ich arbeitete gerade an Musik in Dubai, und Arca hat mir geschrieben, um zu fragen, was ich so mache. Ich sagte, dass ich auf meinem Zimmer sei und gerade an dieser Sache arbeitete, und Arca bat mich, es zu hören. Ich schickte es und musste dann los, um eine Show zu absolvieren. Als ich wieder im Hotel ankam, hatte Arca mir den Part schon zurückgeschickt. Das war echt heftig. Arca steckte voller Tatendrang und lenkte den Song in eine total verrückte Richtung. Gleichzeitig schicken sich Joba und ich ohnehin immer Musik hin und her, so dass er den Werdegang dieses Songs von den ersten zarten Klavierakkorden an kannte. Als ich dann wieder nach L.A. kam, spielte er seinen Teil ein. Er ist sehr eng mit diesem gesamten Projekt verbunden – und außerdem einfach ein guter Freund. Ohne ihn kann ich es mir gar nicht richtig vorstellen.“

„Happiness“
„Diese letzten beiden Songs habe ich zur gleichen Zeit geschrieben und auch genau zeitgleich fertiggestellt. Für mich fühlen sie sich an wie der Schlusssatz für dieses gesamte Kapitel. Ich gelangte ans Ende von dem, was ich zu verarbeiten hatte – fünf bis sechs Monate tiefer emotionaler Prozesse – und genau das wollte ich auch zeigen. Der Text von ‚Happiness‘ soll sich nicht trostlos anhören. Vielmehr geht es darum, wie befreiend es ist, wenn man herausfindet, dass viele Dinge im Leben einfach unwichtig sind. Es bedeutet, dass du dich darauf konzentrieren kannst, Dinge für dich selbst zu tun, und für Menschen, die dir wichtig sind. Das Leben kann einen Sinn haben. Für mich bedeutet ‚Angel‘s Pulse‘ genau das.“

„Today“
„Keines meiner Projekte ist politisch motiviert – kein einziges. Dennoch sind sie aber auf der Grundlage meiner alltäglichen Erlebnisse politisch. Vor Kurzem habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, dass ich in meinem ganzen Leben überhaupt nur drei Songs über andere Leute geschrieben habe. In meiner Musik geht es um mich, denn so verarbeite ich meine Gefühle – es ist mein Ventil. Wenn Dinge dabei sind, die als politisch aufgefasst werden, dann liegt es daran, dass ich viel von dem mitbekomme, was in der Welt passiert.“

UNSERE ANMERKUNGEN

Wer das Blood Orange-Album „Negro Swan“ aus dem Jahr 2018 noch nicht gehört hat, der sollte zum Einstieg damit beginnen. Die ergreifenden Soundscapes und gesprochenen Kommentare über das Leben schwarzer Menschen, Depressionen und Ängste gehen unter die Haut (und zeigen zugleich den beeindruckenden Anspruch und die Kunstfertigkeit von Devonté Hynes). Danach ist man bereit für sein allererstes offizielles Mixtape, das als Epilog zu „Swan“ zu verstehen ist und das Hynes als eine Art „Stream of Consciousness“-Tagebucheintrag“ beschreibt. Einen Tagebucheintrag, der letztlich so etwas wie Heilung verspricht. „Es endet hoffnungsvoll“, erklärt er gegenüber Apple Music, „oder versucht es zumindest. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das je zuvor gelungen ist, aber diesmal wollte ich es schaffen.“ Die Erfahrungen in einem Jahr voller politischer und kultureller Unruhen und der Verlust einiger enger Freunde wie Rapper Mac Miller brachten Hynes dazu, mehr Musik zu veröffentlichen und neue Töne anzuschlagen. „Angel’s Pulse“ ist vielseitig, abwechslungsreich und psychedelisch wie eine Achterbahnfahrt durch die verborgenen Winkel seiner Seele. Aber, wie Hynes betont, handelt es sich dabei nicht um ein offen politisches Statement: „Wenn Dinge dabei sind, die als politisch aufgefasst werden, dann liegt es daran, dass ich viel von dem mitbekomme, was in der Welt passiert“, sagt er. „Als jemand, der mit seiner Sexualität zu kämpfen hatte, der schwarz ist, der in Essex und Barking aufwuchs und dann nach New York kam, der 33 Jahre alt ist und vor und nach dem Internet gelebt hat, der in einer Zeit lebt, in der selbst der Kauf von Kaffee politisch ist – natürlich ist meine Musik da auch politisch. Aber sie ist mein Tagebuch, nicht meine Agenda. Mein Ziel ist, einfach ehrlich zu sein.“

„I Wanna C U“
„Ich denke, dass Leute, die Blood Orange-Fans sind oder die beim letzten Album dazugestoßen sind, so etwas am wenigsten erwarten, wenn sie den ersten Track abspielen. Damit gibt er den Ton vor. Es sind einfach Live-Drums, Bass und Gitarre. Das ist meine Art zu sagen: ‚Vergiss deine Erwartungen.‘ Gleichzeitig versuche ich auch, mich ein wenig zurückzuhalten. Ich möchte nicht irgendeine bestimmte Aussage mit meiner Musik treffen, sondern eher Gedanken und Themen ausloten. Mein Ansatz dabei ist, sie möglichst einladend zu gestalten. Anstatt mich selbst auf irgendjemand anderen zu projizieren, mache ich mein eigenes Ding und sage: ‚Dies ist meine Welt und jeder ist darin willkommen.‘“

„Something to Do“
„Ursprünglich habe ich das im Februar [2019] in Paris geschrieben und immer im Hinterkopf behalten. Manchmal schwirren mir bestimmte Melodien, Akkordfolgen und Texte im Kopf herum, die ich mir dann zu unterschiedlichen Zeiten nochmal vornehme, um verschiedene Dinge damit anzustellen. Es gibt wahrscheinlich fünf verschiedene Versionen dieses Songs und vielleicht sogar bald eine sechste. Aber fürs Erste ist dies die Version, die das Rennen machte.“

„Dark & Handsome“ (feat. Toro y Moi)
„Ich mietete einen Monat lang ein Haus in L.A., in dem ich mich verschanzt und rund um die Uhr Musik gemacht habe. Dies ist einer der ersten Songs, der in dieser Zeit entstand und der für mich einen meiner besten Texte hat. Ich glaube, ich habe da wirklich alle Gefühle und Emotionen rausgelassen, die in mir brodelten. Es geht um Trauer – Trauer, Tod und Selbstmord. Der Song ist eine Meditation über diese drei Themen, denn 2018 habe ich selbst ein paar Freunde verloren. Es geht jedoch auch um Leute, die nicht gestorben sind.“

„Benzo“
„Mit dem Mix für diesen Track bin ich sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl, ein Maß an Klarheit erreicht zu haben, das mir schon seit Jahren vorschwebte. Der Sound ist klar und präzise, aber dennoch kaschiert dieses Stück nicht seine Entstehung, ganz persönlich, in meiner Wohnung. Ich versuche immer, das Gleichgewicht zwischen fetten Drums und klar abgegrenzten Strukturen zu finden. Hier handelt es sich um einen Song, bei dem meines Erachtens die Abmischung zur Stimmung passt. Textlich behandelt er das Gefühl, dass niemand bemerkt, welchen Wert du hast, während dir gleichzeitig klar ist, dass das sowieso nur ein Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins ist. Hier ließ ich meine Gedanken kreisen.“

„Birmingham“ (feat. Kelsey Lu & Ian Isiah)
„Ich wollte, dass sich das hier wie ein unerwartetes neues Kapitel anfühlt. Ich habe es an das Ende von ‚Benzo‘ gesetzt, damit es sich so anfühlt, als ob jemand die Tür eintritt. Der Text ist eigentlich ein Gedicht von Dudley Randall mit dem Titel ‚Ballad of Birmingham‘. Es geht darin um den Anschlag auf eine Kirche in den frühen 1960er-Jahren [in Alabama] und, ja, auch um die Liebe eines Jungen. Ich habe schon einige musikalische Bearbeitungen dieses Textes gehört, die sich dann jedes Mal bei mir festgesetzt haben. Selbst wenn Leute nicht wissen, wovon der Text handelt, so hoffe ich doch, dass die Musik dieses Gefühl von Trauer und Schmerz transportiert. Sie ist voller Energie.“

„Good for You“ (feat. Justine Skye)
„Justine ist einfach toll. Hin und wieder buche ich das [New Yorker Aufnahmestudio] Electric Lady und lade Leute dorthin ein. An diesem Tag hatte ich gerade die Musik für diesen Track fertig, und sie kam vorbei, um abzuhängen. Sie hat so ziemlich – also nicht nur so ziemlich, sondern tatsächlich – den ganzen Song als Freestyle gemacht. Allein deshalb halte ich sie für verrückt.“

„Baby Florence (Figure)“
„Achtung, Überraschung: Das hier wurde in Florenz aufgenommen. Der Titel ist nicht sehr fantasievoll. Ich verbrachte dort einige Zeit, in der ich an ein paar Stücken arbeitete und einige Piano-Sequenzen einspielte. So habe ich auch diesen Song geschrieben. Es ist einer meiner Lieblingssongs.“

„Gold Teeth“ (feat. Project Pat, Gangsta Boo & Tinashe)
„Ich war schon immer begeistert von Three 6 Mafia. Bei diesem Song arbeitete ich mit Venus X, einer New Yorker DJane, zusammen, und sie sagte: ‚Weißt du, Gangsta Boo wäre perfekt hierfür.‘ Ich: ‚Klar, das wäre irre.‘ Und sie: ‚Na ja, ich kenne sie, sie lebt jetzt in L.A.‘ Und am nächsten Tag kam sie vorbei. Danach rief ich Project Pat an, mit dem ich auf meinem letzten Album zusammengearbeitet habe, um ihn zu fragen, ob ich seinen Gesang sampeln dürfte. Danach erklärte er mir, er wolle seinen eigenen Verse haben. Und ich sagte: ‚Nur zu!‘“

„Berlin“ (feat. Porches & Ian Isiah)
„Während einer Europatournee spielte ich eine Show in Berlin, und wie ihr euch denken könnt, entstand das hier richtig spät in der Nacht. Es hat so einen After-Hours-Vibe. Eigentlich fertig geschrieben habe ich den Track in Helsinki und ihn dann Aaron, besser bekannt als Porches, vorgespielt, als ich wieder in New York war. Ich sagte ihm, ‚Mach irgendwas damit‘ – so arbeite ich immer mit Freunden – und das tat er dann auch.“

„This Tuesday Feeling (Choose to Stay)“ (feat. Tinashe)
„Ich versuche immer, verschiedene Welten miteinander zu verbinden, Dinge, von denen ich ein großer Fan bin. Auf diesem Song wollte ich etwas in Richtung Pixies machen, aber auch etwas, das sich nach den frühen N.E.R.D anhört. Das schwebte mir hier vor.“

„Seven Hours Part 1“ (feat. BennY RevivaL)
„Benny ist der Beste. Er ist einer meiner absoluten Lieblingskünstler. Ich besitze jedes seiner 17 Alben. Viele Leute kennen ihn nicht, und das ist echt schade, weil er so verdammt gut ist. Ich hatte das Glück, mich durch meinen Freund Despot auch mit ihm anfreunden zu können, und so ist er einfach nach New York gekommen, um abzuhängen. Ihn auf dem Track zu haben, ist ein Traum, denn eigentlich ist es das erste Feature, das er je gemacht hat.“

„Take It Back“ (feat. Arca, Joba & Justine Skye)
„Ich sage immer, Songs sind etwas, das ich beginne und das ich vollende. Alles dazwischen lasse ich von anderen erledigen. Wie Arca in die Sache hineingezogen wurde, ist eigentlich recht lustig. Ich arbeitete gerade an Musik in Dubai, und Arca hat mir geschrieben, um zu fragen, was ich so mache. Ich sagte, dass ich auf meinem Zimmer sei und gerade an dieser Sache arbeitete, und Arca bat mich, es zu hören. Ich schickte es und musste dann los, um eine Show zu absolvieren. Als ich wieder im Hotel ankam, hatte Arca mir den Part schon zurückgeschickt. Das war echt heftig. Arca steckte voller Tatendrang und lenkte den Song in eine total verrückte Richtung. Gleichzeitig schicken sich Joba und ich ohnehin immer Musik hin und her, so dass er den Werdegang dieses Songs von den ersten zarten Klavierakkorden an kannte. Als ich dann wieder nach L.A. kam, spielte er seinen Teil ein. Er ist sehr eng mit diesem gesamten Projekt verbunden – und außerdem einfach ein guter Freund. Ohne ihn kann ich es mir gar nicht richtig vorstellen.“

„Happiness“
„Diese letzten beiden Songs habe ich zur gleichen Zeit geschrieben und auch genau zeitgleich fertiggestellt. Für mich fühlen sie sich an wie der Schlusssatz für dieses gesamte Kapitel. Ich gelangte ans Ende von dem, was ich zu verarbeiten hatte – fünf bis sechs Monate tiefer emotionaler Prozesse – und genau das wollte ich auch zeigen. Der Text von ‚Happiness‘ soll sich nicht trostlos anhören. Vielmehr geht es darum, wie befreiend es ist, wenn man herausfindet, dass viele Dinge im Leben einfach unwichtig sind. Es bedeutet, dass du dich darauf konzentrieren kannst, Dinge für dich selbst zu tun, und für Menschen, die dir wichtig sind. Das Leben kann einen Sinn haben. Für mich bedeutet ‚Angel‘s Pulse‘ genau das.“

„Today“
„Keines meiner Projekte ist politisch motiviert – kein einziges. Dennoch sind sie aber auf der Grundlage meiner alltäglichen Erlebnisse politisch. Vor Kurzem habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, dass ich in meinem ganzen Leben überhaupt nur drei Songs über andere Leute geschrieben habe. In meiner Musik geht es um mich, denn so verarbeite ich meine Gefühle – es ist mein Ventil. Wenn Dinge dabei sind, die als politisch aufgefasst werden, dann liegt es daran, dass ich viel von dem mitbekomme, was in der Welt passiert.“

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