

Lilly Palmer gehört zu jener Generation elektronischer Künstler:innen, die Techno nicht mehr als Subkultur begreifen, sondern als globale Sprache. Die bei Nürnberg geborene und in Zürich aufgewachsene DJ und Producerin perfektionierte diesen Ansatz auf der Bühne. In kurzer Zeit entwickelte sie sich vom Underground-Act zur Instanz – vor allem dank ihres Talents zur Verdichtung: Ihr Sound ist schnörkellos, kommt oft mit einem Druck, der unmittelbar in die Magengrube fährt. Dass sie ihr Album nun „Bigger Than Techno“ genannt hat, irritiert zunächst. Wenn das, was sie im Club macht, bereits auf maximale Größe angelegt ist – lässt sich das überhaupt noch steigern? Der Titeltrack gibt eine erste Antwort. Da schmiegt sich ein Vocal-Sample an körperlichste Beats und Bässe. Platz für melodiöse Elemente bleibt dennoch. Eine Visitenkarte, die deutlich macht: Hier geht es nicht nur um den Klang, sondern ebenso um die Handschrift dahinter. Das gesamte Album lebt von diesem Spannungsfeld. Zu stringenten Club-Bangern wie „Hypnosis“, die atemlos direkt aus der Kühlkammer berichten, oder dem rund um eine clevere Vocal-Hook angelegte „Late At Night“ kommen Stücke, in denen sie andere Facetten des Genres auslotet: „Vicious Chords“, ihr Team‑up mit Space 92, drängt kompromisslos Richtung Peaktime. Ähnlich „Ayi Giri“ mit seinem Armin van Buuren-Feature: Hier öffnet Palmer ihr Set für tranceaffine Elemente, ohne an Energie einzubüßen. So wird „Bigger Than Techno“ zu einer Einladung an all diejenigen, die clevere elektronische Musik mögen, aber gerne auch mal in deren DNA blicken.