Chapeau Satie

Chapeau Satie

Xuefei Yang veröffentlicht ihr liebevoll kuratiertes Album „Chapeau Satie“ zum 100. Todestag des französischen Komponisten Erik Satie. Ursprünglich schrieb Satie all diese Stücke für das Klavier, doch dank der Ausdruckskraft von Yangs Spiel scheinen sie wie für die Gitarre geschaffen. Tatsächlich, so erzählt sie im Gespräch mit Apple Music Classical, bestehe eine natürliche Verbindung zwischen ihrem Instrument und Saties Werk: „Seine Musik wird oft als sphärisch beschrieben und genau diese Qualität bringt die Gitarre zur Geltung. Jeder gezupfte Ton verweilt einen Moment und verklingt.“ „Ich nutze viele Techniken, die den Klang der Gitarrensaiten nuancieren – darunter Slides und Bends“, erklärt sie weiter. „Saties sparsame Klangwelten lassen viel Raum für solche Nuancen. Das passt zu meinem kulturellen Hintergrund – chinesische Zupfinstrumente kommen oft mit wenigen Tönen aus, aber bringen dabei jede einzelne Note voll zur Geltung.“ Wie bei vielen Musikliebhaber:innen war auch Yangs erste Begegnung mit Saties Musik die „Trois Gnossiennes“ und „Trois Gymnopédies“. „Ich war sofort von ihrer geheimnisvollen Schönheit und schlichten Zurückhaltung fasziniert“, erinnert sie sich. „Ihre traumhafte Atmosphäre lässt mich bis heute nicht los.“ In den „Gymnopédies“ wird diese Stimmung durch die Flötistin Sharon Bezaly, die gemeinsam mit Yang neue Arrangements dieser Stücke interpretiert, weiter verstärkt. „Chapeau Satie“ geht weit über die bekannten Werke hinaus und umfasst vier weitere „Gnossiennes“, von denen drei erst im Jahr 1968 veröffentlicht wurden. Wie auch die ursprünglichen „Trois Gnossiennes“, die noch zu Saties Lebzeiten erschienen, weisen sie unkonventionelle Merkmale auf: „Satie gibt kaum traditionelle Anweisungen – keine Taktarten oder Taktstriche. Selbst der Titel ist rätselhaft. Stattdessen finden sich poetische Anmerkungen wie ‚am Rand des Bewusstseins‘ oder ‚auf der Zungenspitze‘. Sie laden zu einer emotionalen und fantasievollen Deutung ein. Das erinnert mich stark an die chinesische Kunst – eine Sensibilität, die Andeutung über Klarheit und Gefühl über Präzision stellt.“ Darüber hinaus spielt Yang mehrere Stücke mit der Sopranistin Héloïse Werner – darunter auch eine eigene Komposition Werners, „Mélancolie“, eine Hommage an Satie. „Satie ist vor allem für seine zeitlosen Klavierwerke bekannt“, erklärt die Gitarristin, „aber er war ebenso ein Mensch seiner Zeit und seines Umfelds. Einen Grossteil seines Lebens verbrachte er in Montmartre, dem Zentrum der Pariser Café-concert- und Kabarettszene während der Belle Époque (etwa 1871 bis 1914). Er komponierte eine Reihe von Liedern, die von Varieté-Stars der damaligen Zeit gesungen wurden – Stücke, die leichtfüssig, frech und voller Charme sind. Lieder wie ‚Je te veux‘ oder ‚La diva de l’Empire‘ zeigen Saties Gespür für eingängige Melodien und verspielte Rhythmen.“ All diese Qualitäten bringt Werner mit ihrer Stimme zum Ausdruck, während Yang gelegentlich einzelne Strophen allein spielt, „damit auch die Gitarre einmal singen kann“. „Satie war ein Komponist voller Widersprüche: ernst und absurd, minimalistisch und theatralisch, melancholisch und schelmisch“, fasst Yang zusammen. „Genau das macht ihn und seine Musik so faszinierend. ‚Chapeau Satie‘ ist meine Hommage an den Komponisten, der immer ein Aussenseiter blieb und uns auch nach einem Jahrhundert noch mit stiller Brillanz berührt.“