Unsere Anmerkungen „Die Leute sprechen immer davon, wie einschüchternd das zweite Album ist“, erzählt Dua Lipa im Interview mit Apple Music. „Mir jagt es mehr Angst ein, zurück ins Studio zu gehen und zu versuchen, immer wieder ein neues ‚New Rules‘ aufzunehmen. Das fühlt sich an wie ein Teufelskreis, in dem ich versuche voranzukommen, aber nie in der Lage bin, mich als Künstlerin weiterzuentwickeln.“ Um also den nächsten Schritt zu gehen und ihr erfolgreiches Albumdebüt von 2017 noch zu übertrumpfen, schaute Dua Lipa zurück. „Ich habe mich für diese Platte auf eine ausgiebige Zeitreise begeben“, sagt sie über das treffend betitelte „Future Nostalgia“. Dabei hat sie lebensbejahenden Disco („Don‘t Start Now“, „Break My Heart“), 80er-Power-Pop („Physical“) und sogar Sprechgesang im Stil von Debbie Harry („Levitating“) eingesammelt, aber das Endergebnis ist trotzdem zukunftsweisend. „Es ist ein schmaler Grat, also wollte ich etwas einbringen, das an meine Kindheit erinnert, aber gleichzeitig zeitgemäss klingt“, so die Sängerin. „Ich erinnere mich, wie ich Songs von Moloko und Jamiroquai gehört habe, die dich rund um die Uhr zum Tanzen animieren. An dieses Gefühl wollte ich anknüpfen.“ Doch trotz des neuen Sounds und ihres kometenhaften Aufstiegs sagt Dua Lipa über ihren plötzlichen Ruhm: „Meine Freunde behandeln mich noch genauso wie früher. Ich habe mich als Person wenig verändert“. Und bleibt dabei ihrer Mission treu, andere Frauen auf dem Weg nach oben mitzunehmen: „Es geht mir immer darum, mich für Frauen einzusetzen, und darum, uns in eine starke Position zu bringen. Ich will zeigen, dass Frauen Risiken eingehen und musikalische Experimente wagen dürfen. Und dass sie die Hosen anhaben können. Das gibt’s in der Musik viel zu selten.“ Welche anderen Botschaften in „Future Nostalgia“ stecken, verrät uns Dua Lipa im Track by Track.


Future Nostalgia
„Ich bin ins Studio gegangen, um mit [US-Produzent] Jeff Bhasker Songs zu schreiben, und war bereit, etwas zu wagen. Ich sagte ihm, dass das Album ‚Future Nostalgia‘ heissen soll, und er setzte sich an seine Instrumente und produzierte all diese unterschiedlichen verrückten Sounds. Es ging einfach darum, Spass zu haben, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen – und für mich selbst auch um ein Gefühl der Selbstermächtigung und des Frechseins. Als ich ‚I know you ain‘t used to a female alpha‘ schrieb, meinte ich damit nicht, dass ich die erste bin. Mit der Zeile sind die grossen Frauen gemeint, die mir als Vorbilder dienten, und die Tatsache, dass mich Alpha-Frauen inspiriert und mir gezeigt haben, dass wir’s drauf haben. Wegen dieser Furchtlosigkeit erschien mir das der perfekte Opener für das Album.“

Don’t Start Now
„Jeder Song des Albums musste zum Thema Nostalgie passen und dieser hier hat einen spassigen Disco-Vibe. Vom Sound her hat er wenig mit meinen bisherigen Releases gemeinsam, aber textlich trägt er meinen Stempel. Er ist ein typischer Trennungssong über den Zeitpunkt, wenn du endlich wieder klar kommst und über die Sache hinweg bist, der andere aber genau dann beschliesst, wieder angekrochen zu kommen. Es ist eine ermächtigende Botschaft, die besagt, dass du stärker bist, als du denkst.“

Cool
„Mein A&R hat mir diesen Song vor zwei Jahren vorgespielt und ich habe ihn sofort gehasst. Ich meinte: ‚Bitte spiel mir das nie wieder vor.‘ Aber ein Jahr später, als ich im Songwriting steckte, liess er mich Platz nehmen und sagte: ‚Ich muss dir was zeigen.‘ Er spielte mir das Instrumental vor und ich fand: ‚Ohne Text ist das eigentlich richtig gut.‘ Ich bin mit Tove Lo ins Studio gegangen und hatte Spaß am Ausprobieren. Es steckt ein bisschen Prince drin und in dieser Stimmlage hatte ich zuvor noch nie gesungen. Auf dem ganzen Album geht es darum, zu wachsen und neue Dinge auszuprobieren. Also wollte ich mich Herausforderungen stellen. Wir schrieben etwas, das sich sehr echt anfühlte. Es ist ein romantischer, sommerlicher Song darüber, jemanden zu treffen, der dich völlig aus der Fassung bringt.“

Physical
„Wenn dieser Song gespielt wird, will ich, dass die Leute sagen: ‚Okay, her mit den Kurzen.‘ Ab hier wird die Party wild. Aber der Track hat mich auch nervös gemacht. Ich dachte, er ist vielleicht etwas schwer geniessbar, weil er so schonungslos und konfrontativ ist. Die Bridge legt sogar noch einen drauf. Ich hatte nicht erwartet, dass die Leute so darauf abfahren und bin sehr dankbar für das Echo. Im Text habe ich Formulierungen wie ‚diamond rich‘ benutzt, die für mich ziemlich nostalgisch klangen, und habe dann etwas Spielerisches hinzugefügt, damit es sich zeitgemäss anfühlt. Der Song ist aus dem Moment heraus entstanden und erinnert ein bisschen an die Eurythmics.“

Levitating
„Dies ist der erste Song, bei dem ich das Gefühl hatte, dass alle hinter dem Konzept des Albums stehen. Beim Schreiben fühlte ich mich wie in ‚Austin Powers‘ und dachte: ‚Wenn ich dafür ein Video mache, muss Mike Myers dabei sein.‘ Der Song sollte Spass machen und lebhaft sein, aber mit richtig cleveren Lyrics. Ich wollte mich an fröhlichen Songs probieren, nicht die Sorte, bei der man tanzt und weint. Hier geht es darum, jemanden zu treffen, sich zu verlieben und zu denken: ‚Du hast mich vermutlich zum perfekten Zeitpunkt getroffen. Lass es uns einfach probieren.‘ Es geht um das Gefühl, wenn Liebe sich wie Schweben anfühlt. Hier steckt ein Daft Punk-Vibe drin, aber auf eine spielerische Art, und die Bridge ist fast wie meine britische Version eines Debbie Harry-Raps. Ich fand, dass ich auf dieser Platte auch meine britische Seite zeigen musste, weil die Leute manchmal gar nicht wissen, woher ich komme.“

Pretty Please
„Dies ist der erste Moment auf der Platte, an dem man richtig durchatmen kann – vor allem nach dem sehr intensiven ‚Levitating‘. Der Song klingt cool und gechillt, dabei geht es um das Gegenteil. Ich spiele gerne auf diese Weise mit Sounds und Konzepten. Das Lied handelt davon, jemandem – oder dir selbst – zu versprechen, am Anfang einer Beziehung total entspannt zu sein, um dann festzustellen: ‚Okay, das bin ich einfach nicht.‘ Es geht los mit der Zeile: ‚Somewhere in the middle. I think I lied a little‘. Das fasst es ziemlich gut zusammen.“

Hallucinate
„Der hier unterscheidet sich ziemlich stark von den anderen Songs des Albums, die alle irgendwie zusammenhängen. Hier wollte ich aus Spass einen 90er-Dance-Track machen. Das hier ist mein Festival-Song. Immer wenn ich an einem Lied arbeite, stelle ich mir vor, es auf dem Glastonbury Festival zu spielen. Mir war klar: kein Festival ohne diesen Song.“

Love Again
„Eine Beziehung hatte für mich nicht funktioniert und als ich am Boden zerstört war, habe ich das hier geschrieben. Ein Song für mich selbst, um mich ein bisschen in den Arm zu nehmen. Er drückt die Hoffnung aus, dass ich mich wieder verlieben werde. Als wir bereits diese wunderschönen Streicher hatten, kam [Produzent und Songwriter] Clarence Coffee Jr. die geniale Idee, ein Sample von ‚Your Woman‘ von White Town einzubauen. Das gab dem Song den nötigen Schub, weil uns definitiv ein tanzbareres Element fehlte. Ich schrieb ihn in einer schwierigen Zeit, aber manchmal helfen dir Lieder aus bestimmten Situationen heraus. Es ist wie eine preiswerte Therapie und ich denke, das ist mein Lieblingslied auf der Platte.“

Break My Heart
„Hier steckt ein Sample von ‚Need You Tonight‘ von INXS drin. Er ist ein perfektes Beispiel für die Sorte Song, zu dem man tanzt und weint. Es geht darum, endlich glücklich zu sein und zu wissen, dass dieser neue Mensch wunderbar ist. Und dann zu denken: ‚Das hier ist unvergleichlich. Was, wenn es endet und mir das Herz bricht?‘ Wenn man Angst hat, zu glücklich zu sein, etwa wenn dein Tag richtig gut läuft und dir der Gedanke kommt: ‚Was wird mir das hier kaputtmachen?‘ Ich bin eine hoffnungslose Romantikerin und frage mich immer: ‚Wie werde ich mir das erhalten?‘ Aber es ist auch ein schöner, verletzlicher Zustand, weil du erkennst, wie wichtig es dir ist. Es half, dass die Leute, mit denen ich diesen Song schrieb, meinen Freund kennen. So fiel es mir leichter, mich wirklich zu öffnen.“

Good in Bed
„Ich habe mich gefragt, ob wir den Titel ändern sollen, weil er so direkt ist. In dem Lied steckt drin, was drauf steht: Es geht darum, wenn guter Sex alles ist, was zwei Menschen noch zusammenhält. Es hat grossen Spass gemacht, diese Art Song zu machen und so sorgenfrei und offen zu sein. Er soll eine Art Warnung sein: Diese Beziehungen halten nie.“

Boys Will Be Boys
„Ich rede so viel über weibliches Empowerment, aber ich habe noch nie einen Song gemacht, der sich wirklich mit dem Schmerz beschäftigt, als Frau aufzuwachsen. Ich war mit dem Team, mit dem ich ‚Physical‘ geschrieben habe, im Studio und erzählte, wie es war, aus dem Schulbus zu steigen und nach Hause zu laufen, mit dem Wissen, dass Jungs auf Fahrrädern unterwegs waren. Dass ich eine Riesenangst hatte, dass sie mir etwas hinterherrufen oder mich verfolgen würden oder sonst was. Unter den Mädchen in der Schule herrschte immer die Angst, nicht vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen. Ich kann nicht glauben, dass ich mir die Schlüssel zwischen die Fingern stecken musste wie Wolverine, für den Fall, dass jemand etwas sagt oder versucht, mich zu verfolgen oder anzugreifen. Es ist verrückt, dass wir über diese Dinge nachdenken müssen und uns auf einem dreiminütigen Weg von der Bushaltestelle zur Wohnung nicht sicher fühlen können. Ich habe das Gefühl, dass wir Jungs vielleicht nicht genug darüber aufklären, wie es sich für ein Mädchen anfühlt. Ich möchte mit diesem Song eine Konversation anstossen und ein paar Augen öffnen. Es geht nicht darum, Leute zu beleidigen oder Schuld zuzuweisen. Aber ich wollte im Text kein Blatt vor den Mund nehmen, zugunsten der Debatte und in der Hoffnung, dass eine Veränderung möglich ist. Es geht auch darum, Solidarität mit anderen Mädchen zu zeigen und zu sagen: ‚Ich habe das Gleiche erlebt.‘ Gleichzeitig könnte der Song junge Fans oder Hörerinnen dazu bringen, die ältere Schwester oder den älteren Bruder zu fragen und herauszufinden, warum ich in einem Song darüber singe. Dieses Lied ist ein völlig anderes Terrain, aber wegen des Inhalts war es mir sehr wichtig, ihn auf der Platte zu haben.“

TITEL
Future Nostalgia
1
3:04
 
Don't Start Now
2
3:03
 
Cool
3
3:29
 
Physical
4
3:13
 
Levitating
5
3:23
 
Pretty Please
6
3:14
 
Hallucinate
7
3:28
 
Love Again
8
4:18
 
Break My Heart
9
3:41
 
Good in Bed
10
3:38
 
Boys Will Be Boys
11
2:46
 

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